Fanfic: The coldest eyes

Kapitel: If I could fly

Kapitel 2: If I could fly

„Die Wunden sind nicht so schlimm, sie brauchen nur etwas Ruhe“, sagte die Krankenschwester beruhigend, die sich um Merry gekümmert hatte und über die Wunden in ihrem Gesicht sprach. „Eine Narbe wird aber auf jeden Fall zurück bleiben“, fügte sie noch hinzu, bevor sie sich verabschiedete und das Zimmer verließ. Es war eine unangenehme Gewissheit, dass durch die Wunden, die Cole ihr zugefügt hatte, eine Narbe entstehen würde. So hätte sie nämlich eine bleibende Erinnerung an diesen Mann, der ihr alles genommen hatte und dem trotzdem noch immer ihr Herz gehörte.
Merry war kurz von der Polizei zu der Sache befragt worden, doch das Verhör wurde nach kurzer Zeit abgebrochen, da denen wohl aufgefallen war, dass sie nicht in der Lage für so etwas war. Sie hatte nun überhaupt nicht mehr gesprochen, zu niemandem, seit dem Erlebnis mit Cole vor zwei Tagen. Merry kam es vor, als wären schon Jahre vergangen, trotzdem ließ es sie nicht los. Jedes mal wenn sie die Augen schloss, ganz egal für wie lange, beschwor ihr Kopf automatisch wieder die Bilder von Cole’s Fingern herauf, an denen das Blut seiner Kinder klebte.
Wankend torkelte sie auf die Straße, wie eine Betrunkene. Eigentlich gab es keinen Ort mehr, an den sie hin gehen konnte: Ihre Wohnung war von der Polizei abgesichert werden, genau wie alle anderen Wohnungen im Haus. Zu ihren Eltern konnte Merry auch nicht mehr, da sie keinen Kontakt mehr zu diesen hatte seit ihrer Heirat mit Cole. Die hatten immer geahnt, was in ihm steckte. Die Polizei hatte ihr die Adresse von einem Psychologen gegeben, doch die hatte sie schon verloren. Auch Geld hatte sie keines bei sich.
Sie merkte nicht, wohin ihre Füße sie trugen und war vollkommen überrascht, als sie sich vor einem heruntergekommen Restaurant wieder fand, das schon vor Jahren Pleite gemacht hatte. Dem Restaurant, in dem sie damals Cole kennen gelernt hatte.

An diesem Abend oder um genau zu sein Nachmittag hatte es geregnet. Merry wollte eigentlich nur mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren wie sonst auch, als sie von den Wassermassen überrascht wurde. Es war so stark, dass ihr nichts anderes übrig blieb als sich genau in dieses Restaurant zu flüchten, um trocken zu bleiben. Und da stand er dann: Die nassen, schwarzen Haare klebten in seinem Gesicht, die absolut durchnässte Zigarette in seinem Mund, die immer wieder ausging, ein schwarzer Mantel eng um seine Schultern geschlungen. Er bewegte sich so sicher zwischen den Tischen hin und her, dass Merry fast schon zu eingeschüchtert war, um ihn überhaupt anzusprechen. Glücklicherweise (Okay, jetzt im Nachhinein vielleicht nicht mehr) kam er dann zu ihr. Schweigend warf er ihr seinen Mantel über, da sie vor Schock, einem so gutaussehenden Mann zu begegnen, direkt in der Tür stehen geblieben war und der Regen ihr nun immer noch auf den Kopf tropfte. „Ich hab leider keinen Regenschirm, da müssen Sie zu dem Kerl dahinten gehen“, meinte er freundlich und fügte dann hinzu: „Sie könnten aber auch einfach reinkommen.“ Erst da bemerkte sie wo sie stand und sprang so plötzlich aus dem Regen, dass sie ihm auf die Füße trat. Der Mantel fiel zu Boden.
Erst als er sie freundlich bat, beim nächsten Mal, wenn sie auf ihn sprang bitte nicht ihre Springerstiefel anzuziehen, merkte sie, dass sie auf seinem Fuß stand. Wieder sprang sie vollkommen übertrieben weit weg und wäre beinahe gestolpert, wenn er nicht schnell einen Arm um sie gelegt und sie gestützt hätte. Merry merkte, wie sie rot wurde. Nun standen sie wieder draußen, im Regen. Einige der Restaurant-Besucher starrten die beiden leicht belustigt an. Sie dachten sicher, es wäre nur ein Pärchen, was sich schon seit Ewigkeiten kennt oder Bekannte, die etwas herumalbern. Niemand kam darauf, dass das hier das erste Mal war, dass sie sich trafen. Noch nicht einmal Merry erschien es so. Sie schien in den unglaublich strahlenden Augen dieses Mannes zu versinken… Den Regen, der ihr direkt auf den Kopf tropfte, spürte sie gar nicht.

Jetzt waren die Fenster mit Brettern vernagelt, und es regnete auch nicht. Die Sonne wurde zwar von einigen Wolken verdeckt, doch schien sie heute sogar noch etwas heller zu strahlen als sonst, sodass man sie durch den Wolkenvorhang hindurch sehen konnte. Sodass sie Merry auslachen konnte, wegen ihrer entsetzlichen Hilflosigkeit. Sie hätte etwas tun können. Es war nicht so, als hätte Merry keine Chance gehabt, als Cole an ihr vorbei ins Kinderzimmer gestürmt war. Aber ihre Beine waren so weich gewesen wie Pudding. Sie wäre gestolpert, wenn sie auch nur mehr als einen Schritt gegangen wäre. Sie hatte Angst vor Cole, noch größerer Angst als vor irgendetwas anderem. Aber noch größer als die Angst war dieses grässliche Gefühl, dass ihr Herz jedes verdammte Mal höher schlagen ließ, wenn er sie berührte.
Sie stand noch eine Weile unschlüssig vor dem Restaurant. „Entschuldigen Sie, Miss…“, sprach sie ein kleiner Junge so plötzlich an, dass sie zusammen zuckte. Sie drehte sich zu ihm um und sah in ein nervöses, sommersprossiges Gesicht. Er trug eine blaue Pfadfinder-Uniform und hielt eine kleine Dose in der Hand. „Würden Sie mir vielleicht weiterhelfen? Mein Pfadfinder-Prüfer hat gesagt, dass ich den Weg zum Rathaus in dieser Stadt finden soll, wenn ich das nächste Abzeichen haben will… Aber ich kenne mich hier nicht aus…“ Unsicher tapste er von einem Fuß auf den anderen. „Natürlich helfe ich dir. Ich kann dich hinführen, wenn du magst“, erwiderte Merry, als sie sich zu ihm runterbeugte. Der Kleine strahlte und als sie sein breites Grinsen sah, wuschelte sie ihm mit der Hand durch die kurzen, schwarzen Haare. Nach einem Bruchteil von Sekunden zog sie die Hand aber wieder zurück, als sie sich daran erinnerte, wie sie das bei ihren eigenen Kindern immer getan hatte. Und es nie wieder würde tun können.
Sie hatte da sein wollen, als der Gerichtsmediziner die Leichen abgeholt hatte, aber man hatte es ihr nicht erlaubt. Der Polizist, der sie daran gehindert hatte, war noch jünger als sie selbst und schien gar nicht glücklich zu sein, dass er den Tatort hatte inspizieren müssen. Er hatte gemeint, sie sollte sich das wirklich nicht antun. Dennoch hatte er sie einen Tag später schweren Herzens angerufen, sie müsse doch noch einmal kommen und die Kinder identifizieren. Reine Formsache, hatte er gemeint. Trotzdem hatte er ihr immer wieder gesagt, wie sehr er ihm Leid täte, dass er ihr das zumuten müsse. Dabei traf ihn doch keine Schuld. Diesen netten Polizisten mit dem verzerrten Lächeln. Sie hatte schließlich nicht ihn geheiratet, und es war auch nicht er gewesen, der ihre Kinder getötet hatte.
Sie spürte Tränen in ihren Augenwinkeln. „Miss?“, fragte der kleine Junge beunruhigt. Schnell blinzelte sie und gewann fast augenblicklich ihr eigenes Lächeln wieder. „Tut mir Leid, ich war abgelenkt. Folg mir“, bat sie ihm an und nahm seine Hand. Wohin auch sonst hätte sie gehen können? Was hätte sie anderes tun können?

I have been falling
Falling backwards
In slow motion
Going down
Nothing is changing
But the distance to the sun
I have been trying
Such a long time
To get my feet back on the ground
I lost my gravity
Is this how life should be

If I could fly
I’d leave every burden behind
I would

If I could find
The way to the stars
I’d follow them one by one

I have been falling
Through the silence
Always deeper underground
I’m asking questions
But the answers are so clear
And I know...
I lost my gravity
Is this how life should be

I’m not who I used to be
I’m fighting the enemy in me
It seems to be stronger
But not any longer
Is there anyone out there who could teach me how to fly?