Im Licht der Dunkelheit
Prolog
Seit Langem hatte ich wieder diesen schrecklichen Traum. Ich war in dieser Kathedrale und wie hell und freundlich ihre Einrichtung auch immer sein mochte, strahlte sie doch eine ungeheure Düsternis aus. Es waren winzige Dinge, die es ausmachten. Dinge, die nicht so waren, wie sie es hätten sein müssen. Der Gesichtsausdruck der versteinerten Engel oder Wölbungen, die irgendwie viel mehr spitz als rund wirkten. Es war, als würde sich etwas sehr Dunkles und Böses hinter dieser falschen, hellen Fassade verbergen. Man konnte richtig spüren, dass es etwas Wahres, Echtes gab, das von dem flüchtig darübergepinseltem versteckt wurde. Und diese Falschheit war so offensichtlich und klar zu spüren, dass es beinahe schon wehtat. Ich wusste, dass etwas passieren würde, doch ich konnte mich einfach nicht daran erinnern, was es war. Es war ein sehr quälendes Gefühl, besonders, weil ich wusste, ich würde es gleich erfahren und würde mich nicht wehren können. Ich wusste, es würde nichts Gutes sein.
Und da begann es auch schon. Ein springender Funke aus dem Nichts und das große Kruzifix vor mir begann Feuer zu fangen. `Warum verdammt war es nur aus Holz?´ dachte ich mir noch. Dann setzte es sich langsam in Bewegung, kippte zur Seite und fiel dann lautlos auf seine Spitze. Da es noch an seiner Mitte an einen Balken festgemacht war, stand es nun also auf dem Kopf. Dieses brennende, gotteslästerliche Zeichen schien mich förmlich anzugrinsen, in seinem Triumph, über diesen heiligen Ort gesiegt zu haben. Hier hatte das Böse über Gott gesiegt und gebar nun das Tor zur Hölle. Das Feuer hatte schon auf die ersten Bankreihen übergegriffen und es würde auch die ganze Kathedrale verbrennen. Jetzt erinnerte ich mich wieder, ich war inzwischen aufgewacht. Ich hatte es ja selbst erlebt, vor ein paar Monaten erst, und der Alptraum würde in Wirklichkeit niemals enden. Zu diesem Zeitpunkt war etwas in mir gestorben. Etwas, das mir für immer die Leichtigkeit und Freude genommen hatte und danach hatte ich stets ein flaues Gefühl gehabt, wenn ich Kruzifixe oder Kirchen sah. Ich war mir immer sicher, dass sie alle genauso falsch sein mussten, wie all das hier. Das war auch der Grund, warum mir eine dunkle und böse Welt, in die so viele zu flüchten vermochten, die ihre innere Unschuld verloren hatten, tausendmal lieber war, als eine falsche, gute Welt. Denn eine Welt, die schon so schlecht war, konnte mich auch nicht mehr enttäuschen. Ich fühlte mich einfach zu verraten vom Pseudo-Guten der Kirche, auch wenn ich wusste, dass sich sehr schnell Jemand finden würde, um meine Behauptung zu widerlegen. Jemand, der sich für schlauer hielt und doch nur genauso ignorant war.
Doch ich hatte einen Blick in die Hölle geworfen und das hinterließ für immer Narben.