Fundgrube der Wirritäten
Gefühle (mir fiel nichts besseres ein - wird bei Gelegenheit umbenannt)
Wenn ich ihn sehe, schlägt mein Herz so hoch, dass es bis in meine Ohren klingt. Wenn ich seine Stimme höre, flattern Tausende von Schmetterlingen in meinem Bauch. Und wenn ich an ihn denke, fühle ich mich frei und glücklich. Doch sein Blick ist es, der mich zermürbt.
Er weiß es. Er weiß, was ich für ihn fühle. Ich habe es ihm gesagt. Und jetzt muss ich damit leben, dass es trotzdem so bleibt wie vorher. Kein Kontakt, nur ab und an einen von seinen Blicken, die mich treffen und mich zum weinen bringen. So kalt, so unbeschreiblich. Er zerdrückt all meinen Mut, den ich mir vorher so mühsam zusammengekratzt habe. Ich will ihn ja ansprechen, einfach nur mal ein paar Worte mit ihm wechseln. Ein „Hallo. Wie geht´s?“ mehr nicht. Vielleicht noch ein „bis demnächst“. Es würde mir so helfen. Doch nichts.
Auf dem Schulhof begegne ich ihm oft. Damals waren wir noch Freunde gewesen. Wir haben mit den anderen in der Gruppe die Pause zusammen verbracht. Wir haben sogar ein paar Unterrichtsstunden zusammen. Er geht in eine andere Klasse.
Er ist schlau. Hochbegabt.
Ich bin dumm. Eine Niete und faul.
Wenn er an mir vorbeikommt, sieht er mich nicht an. Ich weiß es, auch wenn ich zu Boden schaue. Er geht an mir vorbei, als wäre ich Luft. Ein Nichts. Ich habe darüber nachgedacht. Hat er einen Grund mich zu hassen? Eigentlich nicht. Hat er einen Grund mich zu mögen? Eigentlich nicht. Was bilde ich mir denn darauf ein, dass ich mit ihm im Internet schreiben kann, wenn ich ihm dann nicht einmal persönlich gegenüber treten kann?!
Ich bin feige. Vielleicht ist es das. Wer weiß.
Rund um die Uhr sind meine Gedanken bei ihm. Auch, wenn er mich so schlecht behandelt – gut, er behandelt mich gar nicht, ich bin ja Luft für ihn. Ich mag ihn trotzdem gern. Ich würde wirklich Alles für ihn tun.
Ich habe schon oft daran gedacht ihn einmal wieder anzurufen. Doch was soll ich sagen? Er wohnt auch nicht weit weg. Morgens, wenn ich zur Schule fahre, komme ich immer bei ihm vorbei. Zwanzig Minuten, mehr nicht. Doch zwanzig Minuten sind genug, um meine Selbstzweifel anzuschüren, das ich kehrt mache und mich in meinem Bett verkrieche. Ich habe das Gefühl, dass er mich nicht leiden kann. Ich bin zu aufgedreht, zu gesprächig, zu dumm. Er ist still, geheimnisvoll, lieb und nett. Und er sieht mich nicht. Vielleicht lässt er mich auch zappeln. Jeden Abend tropfen meine Tränen auf meine Kissen wegen ihm.
Warum ich ihn so mag?
Vielleicht wegen alle dem. Vielleicht brauche ich den Schmerz. Vielleicht brauche ich seine Stimme, die nichts zu mir sagt, sein Lächeln, dass nicht wegen mir froh ist, seine Aufmerksamkeit, die nicht mir gilt. Doch warum sind die Wunden, die er mir verursacht so groß, dass all das, was mein Herz an ihm höher schlagen lässt, es nicht heilen kann?
Ich weiß es nicht. Ich verstehe es nicht. Ich höre nur das aufgeregtes Pochen, wenn ich an ihn denke. Eigentlich ist es gefährlich in der Vergangenheit zu leben, weil man leicht das Jetzt vergisst. Aber alles, was ich von ihm hab, ist das Damals, was wir zusammen in der Pause verbracht haben. Ich klammer mich verzweifelt an jede Minute, in der wir miteinander geredet haben, weil ich es als kleinen Ersatz sehe.
Ob ich verrückt bin? Nein. Ich bin verzweifelt. Ich bin verliebt.