Long ago, in the ancient past...
Traumwelt
„Itoe...Itoeehee...ITOE!“
Erschrocken setzte sich Itoe auf.
Wer hatte sie da gerufen und das auch noch so laut?
Sie sah auf und erblickte funkelte grüne Augen.
Akako.
„Mensch! Hör auf zu träumen! Die Stunde ist schon seit 10 Minuten vorbei!“
“Es tut mir leid!“ Stammelte Itoe und sah zu wie sich das rothaarige Mädchen von ihr abwahnte.
Itoe strich sich eine schwarze Strähne aus dem Gesicht.
Das sie immer so böse sein musste.
Warum ließ Akako sie denn nicht träumen? Sie tat doch niemanden etwas.
Itoe stand auf, packte ihre Bücher in ihre Tasche und verlies, neben Akako, den Klassenraum.
Eine Weile herrschte Stille. Danach wurde sie von Akako unterbrochen.
„Entschuldigung!“
„Wa...?“ Itoe sah sie aus müden Augen an.
„Träumst du schon wieder?! Ach Itoe...ich mach mir doch nur Sorgen um dich! Du wirkst immer so abseits...als ob du in einer anderen Welt wärst, in deiner Traumwelt.“
“Das bin ich auch...“ flüsterte Itoe und senkte den Blick.
„Aber warum? Was hast du?“
„Ach nichts...“
“Komm sag, ich weiß doch, dass da irgendetwas ist...“
„Ich...“
Itoe hielt inne und sah Akako an. Sie wusste nicht direkt was sie sagen sollte. Itoe wurde böse.
„Was willst du denn eigentlich hören? Das es mir gut geht? Nein...das wäre gelogen. Mir geht es nicht gut, wie auch...
Weißt du, in meiner „Traumwelt“ gibt es keine Probleme, in meiner Traumwelt existiert das Leben, was ich schon immer leben wollte. In meiner Traumwelt gibt es Menschen die mich lieben und mich nicht auslachen, weil ich ...“ Itoe brach ab und sah zu Boden.
„...aber diese Welt existiert ja nicht.“
Die Schwarzhaarige presste ihre Schultasche gegen ihre Brust und ging mit schnellen Schritten an Akako vorbei. Sie wollte nicht, dass diese ihre Tränen sah. Akako hatte es trotzdem registriert.
„Aber wir lieben dich doch...“
Itoe kuschelte sich in zarte Arme die sie umschlungen.
Eine gepflegte weiche Hand strich ihr durch das pechschwarze Haar und summte dabei eine leise Melodie.
Dieses Lied hatte sie als Kind geliebt.
Ihre Mutter sang es oft für sie, besonders wenn es ihr mal wieder richtig schlecht ging.
„Es ist Zeit für deine Tabletten Schatz.“ Itoe nahm die zärtliche leise Stimme von ihrer Mutter kaum wahr. Sie wollte sie nicht wahr nehmen. Itoe war es Leid, diese widerlichen Tabletten zu schlucken, aber ohne sie... ja ohne sie würde sie sterben. Kaum zu glauben, das diese Dinger ihr das Leben retten sollten. Warum musste gerade sie so eine Last mit sich tragen? Aber sie wollte sich nicht in Selbstmitleid ersticken. Sie musste damit leben.
Itoe litt seit ihrer Geburt an einer seltenen, aber gefährlichen Herzkrankheit. Sie konnte leider nicht wie andere Kinder rum tollen und spielen, sie musste immer nur zu schauen. So zog sie sich immer weiter in sich zurück und blieb allein. Natürlich fand sie so auch keine Freunde und wurde oft gehänselt.
Einen Vater hatte sie nie. Sie kannte ihren noch nicht einmal, weil er bei ihrer Geburt abgehauen war. Angeblich kam er nicht mit ihrer Krankheit zurecht. Itoe glaubte dies aber nicht. Sie wusste warum er abgehauen war: Er wollte sie nicht.
Zudem ließ er Mutter und Tochter mit einer großen Menge Schulden allein.
So musste Itoes Mutter sie schon seit 15 Jahren alleine aufziehen.
Das Mädchen gab sich oft die Schuld daran, dass ihre Mutter keine Freizeit hatte. Wenn sie von der Arbeit kam, musste sie immer nur für ihre Tochter da sein. Auch die Schulden machten das Leben nicht gerade leichter. Wie gerne würden sie sich mal etwas „Luxuriöses“ leisten. Aber es ging nun einmal nicht. Wo andere Kinder jedes Spielzeug bekamen, steckte Itoe zurück und das nur für ihre Mutter. Sie wollte es ihr leichter machen und Itoe schwor sich, sich eines Tages, für das was ihre Mutter für sie getan hatte und das sie immer für sie da war, zu bedanken. Mit etwas ganz Besonderem.
Itoe wurde aus ihren Gedanken gerissen, erneut von der lieblichen Stimme ihrer Mutter.
„Ich geh schon“
In der Küche angekommen, nahm sich das Schwarzhaarige Mädchen einen Küchenstuhl und stellte ihn genau vor die Spüle, dann stelle sie sich auf den Stuhl um an den Küchenschrank heran zukommen, wo sich ihre Tabletten befanden.
Sie nahm die kleine weiße Schachtel, stieg vom Stuhl und setzte sich auf ihn.
Itoe betrachte die Schachtel und ließ ihre Finger über die Punkte die darauf waren gleiten.
Wie konnten blinde Menschen dies nur lesen?
Konnte man es erlernen?
Itoe schloss die Augen und glitt erneut darüber.
Nein, dass war viel zu schwierig.
Sie öffnete die Schachtel und nahm sich eine Tablette heraus.
Auch diese sah sie sich an.
Was wohl passieren würde, wenn sie jetzt einfach dieses weiße Stück nicht nehmen würde?
Würde sie gleich sterben oder müsste sie 3 Tage diese Tablette weglassen?
Was würde danach mit ihrer Mutter passieren? Würde ihre Mutter ihre Beerding finanzieren können?
Itoe schreckte hoch.
Über was dachte sie denn da nach?
Sie konnte ihrer Mutter so etwas nicht antun!
Schnell füllte sie sich ein Glas mit Leitungswasser, stopfte sich die Tablette in den Mund und spülte sie mit dem Wasser herunter.
„Bin fertig Mama.“