Das Herz des Pharao

1

Mit schnellen Schritten ging Mana den Gang entlang. Das konnte doch nicht wahr sein! Nicht schon wieder. Schon wieder war Geron zu spät, konnte er sich denn nicht einmal beeilen? Anstatt die ganze zeit bei der komischen Heilerin rum zu hängen, konnte er ja lieber mal mehr für seine Stellung als Obermagier tun! Mana schnaubte wütend und trat zu Pharao, der mit hoch erhobenem Haupt auf den Hof hinunter sah. Mana seufzte. Er hatte sich kein Stück verändert, zumindest äußerlich nicht. Er starrte zum Horizont, als würde er dort etwas sehen. Noch immer lies er keinen Menschen an sich heran und war eiskalt, auch wenn Mana wusste, das er sich seid Kisaras Tod ein bisschen verändert hatte.
Sie schaute ihn schon die ganze Zeit nachdenklich an. Erst jetzt bemerkte Seto das und schaute zurück. Manas Gesichtsausdruck veränderte sich schlagartig, sie wurde rot und schaute weg, auch auf den Hof, wo bis eben Setos Blick verweilt hatte. Warum war er so aufmerksam?
Mana seufzte. Es war viel passiert, seid Seto Pharao geworden war. Das Land hatte er so gut es ging wieder aufgebaut, aber es lag ein schrecklicher Fluch darüber, das wusste Mana. Seto hatte keine andere Wahl gehabt, als einen übermächtigen Zauber aus zu sprechen. Mana schloss die Augen. Dieser Zauber hatte das Land wieder so schön wie vorher gemacht. Und verteidigungsbereit. Kurz nachdem Zork angegriffen hatte hatten die Hethiter Ägypten und dem jungen Pharao den Krieg erklärt. Seto hatte keine Ahnung gehabt, wie er dem Angriff hätte stand halten können. Mit der Hilfe einer übermächtigen, aber skrupellosen Frau, hatte er den Pakt geschlossen, der Ägypten gerettet hatte. Mana hatte ihn und Geron belauscht, zu welchem Preis Seto sie alle gerettet hatte. Sie konnte es nicht glauben, er hatte wirklich sein Herz verkauft um Ägypten zu retten. Mana schielte Seto an. Sie seufzte tief. Er durfte nicht erfahren, dass sie es wusste. Sie hatte schon gemerkt dass er anders geworden war, dass er noch kälter war als sonst. Mana hatte angst um ihn. Hatte er wirklich sein Herz geben können? Sie konnte es einfach nicht glauben. Hatte diese Frau ihm wirklich sein Herz genommen? Seine Seele? Mana kniff die Augen zusammen und verschwand schnell in den Palast. Sie wusste, Seto sah ihr nicht einmal nach.
„Er hat es wirklich gemacht. Ich kann es mir einfach nicht vorstellen, Tia…“ Mana saß ihrer guten Freundin gegenüber. „Ich kenn ihn schon so lange und ich kann mir wirklich beim besten Willen nicht vorstellen, dass er jetzt wirklich kein Herz mehr haben soll, nicht er… Warum hat es nicht Geron gemacht, oder sonst jemand. Seto ist doch schon so ein kalter Typ und jetzt wo diese Hexe ihm sein Herz genommen hat. Was soll jetzt werden?“
Die Worte der jungen Magierin verloren sich ins Schluchzen. Tia nickte sachte. Sie konnte sie gut verstehen. Jono, Tias bester Freund, saß am Feuer und schaute zu ihnen herüber. Er mochte den Pharao nicht, es war ihm ziemlich egal, was mit ihm passierte, wenn es nur Ägypten nicht schadete. Er knurrte leise und schaute wieder auf die Suppe in der er rührte. Tia und Jono lebten in sehr armen Verhältnissen, aber Mana mochte sie trotzdem. Se waren auch Freunde von Atemu gewesen, als der noch gelebt hatte. Deprimiert wischte Mana sich die Tränen aus dem Gesicht und sah Tia an.
„Was kann ich denn nur machen?“ fragte sie verzweifelt.
Tia seufzte tief. Sie dachte lange nach, hatte die Augen dabei geschlossen und seufzte, bevor sie sagte:
„Vielleicht kannst du diese Frau überreden, etwas anderes zu nehmen, anstatt Setos Herz…“
Mana schaute sie an. Nein, das würde sie nicht tun. Diese Frau hatte etwas zu verbergen. Irgendetwas hatte sie vor. Sie musste sie wenn auch erst einmal finden und Mana war sich sicher, sie würde sie nicht leicht finden. Nur Seto wusste, wo sie lebte. Und wenn Geron es nicht wusste, wusste es kein Zweiter, außer eben dem Pharao.
„Warum willst du dem Kerl eigentlich helfen, Mana? Er ist doch genau so skrupellos und böse wie diese Frau.“ Jono schaute Mana durchdringend an.
„Das ist nicht wahr!“ keifte diese böse. „Niemals ist er so herzlos wie sie, die Jemanden sein Herz nimmt, der sein Volk retten will!“
„Ich schätze Seto nicht so ein wie du, Mana, tut mir leid. Ich kann nicht verstehen, was du für den aufs Spiel setzte willst!“
„Ach ja! Er hat Atemu damals gerettet, er hat ihm geholfen und war loyal zu ihm und jetzt will ich das für ihn sein, was ich für Atemu gewesen bin, eine Freundin und eine Verbündete! Außerdem is er der Pharao und ohne ihn geht gar nichts! Seto hat keine Nachkommen, Jono, denk doch mal nach! Willst du das Geron Pharao wird?!“ brüllte die junge Magierin und sprang auf, packte ihn am Kragen und schlug zu.
Jono schnappte nach ihrer Hand und stieß sie von sich weg.
„Kann es sein, das du dich einfach nur verliebt hast?!“ presste er wütend hervor.
Mana starrte ihn erschrocken an. Ihre Augen hatten sich mit Tränen gefüllt, aber diese verschwanden jetzt. Im nächsten Moment find sie lauthals zu lachen an.
„Bist du denn verrückt Jono!“ lachte sie. „Nein, bin ich nicht!“
Sie warf sich auf den Boden und lachte, so wie sie schon lange nicht mehr gelacht hatte. Jono schaute sie dumm an und schielte dann zu Tia, die auch zu lachen angefangen hatte.
„Was lacht ihr denn so, das kann doch sein!“ verteidigte er sich jetzt.
„Nein Jono, das kann nicht sein“, meinte Tia, die sich jetzt beruhigt hatte. „Die beiden passen überhaupt nicht zusammen und das weißt du auch. Mana hat dir den Grund doch genannt.“
„Ja, ja, ja…“ knurrte Jono“, ist doch jetzt auch egal…“
Er verkroch sich wieder zu seiner Suppe und Tia und die sich immer noch schlapp lachende Mana, machen sich wieder an den Plan, Seto zu retten. Auch wenn dieser es nicht billigen würde, dass sie das tun wollten, würden sie es doch tun. Sie wollten nicht zu sehen wie er sich für alle anderen aufopferte.
Es war schon dunkel und die Gasse in die Seto trat war beängstigend. Es raschelte irgendwo und etwas knurrte aus einer Nische. Er ging weiter ohne es auch nur eines Blickes zu würdigen. Der junge Pharao ging zu einer Tür, klopfte und wartete nicht auf Antwort, bis er sie aufriss und eintrat. Es war warm und leicht erleuchtet. Am Tisch saß eine schwarzhaarige, junge Frau, die zu ihm aufblickte. Schon fast ein bisschen empört sagte sie eisig:
„Warum wartet Ihr nicht bis ich „herein“ sage?“
„Weil ich es für nicht nötig gehalten habe“, sagte er ebenso kalt. „Ich wollte dich etwas fragen…“
Die Frau sah ihn noch immer eiskalt an, dann stand sie auf, kam zu ihm und sah ihn fragend, aber grinsend an. Seto schaute angewidert in ihre grünen Augen. Diese Hexe…
„Dann frag“, meinte sie fast sanft, grinste ihn aber böse an.
„Was hast du damit vor?“ sein Gesichtsausdruck veränderte sich nicht. „Warum wolltest du unbedingt mein Herz? Es is doch schon schwarz, du kannst es nicht weiter verunreinigen…“
„Aber so habe ich die Kontrolle über dich… und über Ägypten. Kontrolliere ich dein Herz, kontrolliere ich dich…“ sie grinste böse.
Erst da erstand der junge Pharao, was er da getan hatte…
Wie erstarrt sah er die Zauberin an, die loslachte und ihn weg stieß, als er auf sie los gehen wollte. Sie lachte nur noch laute und stieß ihn so derbe von sich, das er gegen die Wand prallte unglücklich viel und auf dem Boden liegen blieb. Die Zauberin grinste, was ihr aber im nächsten Moment verging. Würde er sterben, was alles zunichte gemacht. Sie beugte sich über ihn und heilte seine Wunde. Sie würde ihn erst einmal von hier weg bringen. In die Wüste, damit es nicht so auffiel, dass er sich verändert hatte. Das sein Herz schwarz werden würde, würde den Leuten dann sicher auffallen, natürlich, aber sie würden denken, dass ihm da draußen etwas passiert war und nicht das es wegen dem Pakt war, den er mit ihr geschlossen hatte.
Also brachte die Zauberin den jungen Pharao in die Wüste. Dort ließ sie ihn zurück, sorgte aber dafür dass ihn jemand finden würde…