Die Prophezeiung
Der Retter
So warm. War das der Tod? Hatten sie mich umgebracht oder hatte mein 'Retter' es getan?
Töpfe klapperten. Verwirrt schlug ich die Augen auf. Ich lag in einem Bett, in einer Holzhütte. Ich ließ meinen Blick durch die kleine Hütte wandern. Mein Blick blieb an dem jungen Mann, der sich über den Herd beugte hängen. Mein Herz schlug schneller.
Kakashi.
Wieder fielen mir seine Worte ein, aber warum lebte ich dann noch? Warum lag ich hier im Bett und er kochte etwas? Vielleicht war es eine Falle? Oder ein Genjutsu?
Langsam richtete ich mich in dem Bett auf. Mir tat jeder erdenkliche Muskel und Knochen weh. Das Bett knarrte bei meinen Bewegungen und Kakashi drehte sich um. Ich durchdachte meine Chancen, ob ich eine Flucht noch einmal schaffen würde oder ob ich kämpfen müsste. Mein Körper protestierte Lautstark.
Es war aussichtslos, es war vorbei.
"Runa... du bist wach", sagte er freundlich.
"Heuchler!", schrie ich ihm entgegen und sprang aus dem Bett. Aber das war zu schnell und meine Beine gaben nach. Augenblicklich stand er vor mir. Mir wurde schlecht. Er war so freundlich und besorgt. Das musste ein Trick sein.
"Alles wird schon gut werden", versuchte er mich zu beruhigen.
"Dann tu es jetzt! Mach schon ich bin bereit", flüsterte ich und die Tränen kamen. Bis jetzt hatte ich alles ohne Tränen überstanden, doch jetzt kamen sie. Ich hielt sie nicht zurück. Wurde er es schnell machen oder mich leiden lassen?
Ich schaute hoch in seine Augen. In ihnen stand Verwirrung und Sorge. Das alles verwirrte mich zunehmend mehr.
"Du denkst also ich will dich umbringen?", fragte er grade heraus und ein kleines Lächeln huschte über seine Lippen.
Ich nickte Stumm.
"Bitte... mach es schnell", flüsterte ich und senkte meinen Kopf.
Er lachte.
Er lachte wirklich. Aber es war kein siegreiches Lachen, eher ein sehr amüsiertes.
"Runa, ich werde dir nichts tun, versprochen", sagte er plötzlich ernst und hob meinen Kopf so hoch, dass ich ihm in die Augen sehen musste.
Er sagte die Wahrheit. Ich spürte es, er log nicht. Seine Augen sagten mir dasselbe.
Aber wollte ich ihm vertrauen? Hatte ich eine Wahl, wenn ich leben wollte? Ich wollte Leben, das war mir klar, aber auch so? War das der einzige Weg?
"Was ist, willst du jetzt was essen?", Kakashi stand wieder an dem Herd und drehte mir den Rücken zu, neben mir lag meine Tasche mit dem Kunais.
Er vertraute mir. Er wusste wozu ich fähig war.
Langsam stand ich auf und wartet bis mein Kreislauf sich wieder beruhigt hatte und ging auf ihn zu und setzte mich an den kleinen Tisch der mittig im Raum stand.
Ich hatte mich entschieden: Ich würde bleiben. Er würde mir nichts tun.
"Kakashi, geht es ihnen gut?", fragte ich, als die Stille schon greifbar war.
"Ja, es geht ihnen gut, außer die Sorgen, die sie quälen. Sie denken sie sind schuld", sagte er vorsichtig. Da war etwas was er mir jetzt noch verheimlichte.
"Wenn du sie sehen solltest, sagst du ihnen, dass ich wieder kommen werde und, dass sie sich keine Sorgen machen sollen?", bat ich ihn.
Ja, irgendwann würde ich nach Konoha zurückkehren. Sei es nur um sie wieder zu sehen und um ihnen zu danken.
Er nickte.
"Warum bist du eigentlich hier? Du warst doch bestimmt bei ihnen dabei", fragte ich weiter.
"Weil... Weil ich es für falsch halte was sie vorhat", da war wieder mehr, aber warum sagte er mir jetzt nicht endlich die Wahrheit? Dennoch fragte ich nicht weiter nach. Vielleicht war es besser so.
Drei Tage waren schon wieder vergangen. Kakashi hatte mir erzählt, dass bevor ich aufgewacht war, drei Tage vergangen waren und er war der Meinung, dass die anderen meiner Verfolger weit genug fort waren.
Deshalb beschloss ich heute endlich raus zugehen. Durch die Fenster hatte ich bereits gesehen, dass die Hütte mitten im Wald stand. Hier würde ich mich wohl fühlen.
"Ich geh jetzt raus", rief ich Kakashi zu und ging hinaus.
Ich atmete tief die Wald Luft ein und schaute mich um. Ich wusste nicht wo ich war, aber ich würde mich hier schon zu Recht finden. Ich setzte mich auf einen Baumstumpf, der vor unserem Unterschlupf stand und lauschte. Es brauchte nicht lange bis ich herausgefunden hatte, dass hier in der Nähe ein See war. Meine Sinne hatten sich wesentlich verbessert seit jenem Abend und ich konnte das Wasser hören. Ich lief langsam in Richtung des Sees und einige Meter bevor ich den See auch schon sehen konnte blieb ich stehn.
Da war jemand.
Ich konzentrierte mich auf das Chakra und es kam mir merkwürdig bekannt vor. Es war das Chakra meines Retters. Vielleicht würde er mich wieder erkennen?
Zögerlich ging ich weiter auf ihn zu und setzte mich in den Schatten der Bäume um ihn zu beobachten.
Er war gut.
Seine Bewegungen waren stimmig und geschmeidig. Kein stocken oder holpern. Plötzlich hielt er inne und starrte in meine Richtung. Sein Blick durchbohrte mich. In weniger als ein paar Sekunden stand er vor mir und hielt sein Katana drohend auf mich gerichtet.
"Was machst du hier und wer bist du?", fragte er kalt.
Ich verlor mich in seinen roten Augen. Das Sharingan.
"Ich... ich wollte trainieren...", brachte ich stotternd heraus. Er blickte mir in die Augen und ich sah wie er überlegte. Wie er meine Worte abwog. Langsam senkte er sein Katana.
"Du bist doch das Mädchen, was von den Konoha Anbus verfolgt wurde, oder?", fragte er mich.
Ich war unfähig etwas zu sagen, deshalb nickte ich nur stumm.
Er steckte sein Katana nun endgültig weg und deaktivierte sein Sharingan.
"Danke....", flüsterte ich leise, als er sich umdrehte.
"Du kannst dich ja erkenntlich zeigen in dem du mit mir kämpfst", antworte er schlicht. Er drehte sich um und schaute mich herausfordern an. Ein kleines Lächeln huschte über meine Lippen.
"Gerne."
Der Kampf war gut. Wir waren ebenbürtige Gegner, deshalb gab es nie jemanden der wirklich einen Vorteil hatte. Die Zeit verging schnell, viel zu schnell.
"Lass uns aufhören... Ähm wie heißt du eigentlich?", er lächelte mich an. Es war das erste mal, dass er lächelte. Es war ein warmes und offenes Lächeln, dass so gar nicht zu
seinem Verhalten passen wollte.
"Runa", antworte ich schlicht.
"Ok, Runa....", setzte er an und drehte sich plötzlich um.
"Ich muss weg, er ruft mich. Es hat wirklich… Spaß gemacht. Morgen wieder hier?", er wirkte etwas beschämt, aber ich freute mich, sehr, dass er mich wieder sehen wollte.
"Ja ok… Ähm...", setzte ich an und dabei fiel mir auf, dass er mir zwar so bekannt vorkam, aber mir sein Name nicht einfallen wollte.
"Sasuke", sagte er und verschwand.
Mit einem Lächeln drehte ich mich um und ging zurück zu Kakashi.
Sasuke war mein Retter also. Aber warum war er hier und nicht in Konoha?