Ninja wider Willen

Einzug in ein neues Leben

Kapitel 2

Der Tag der Abreise war gekommen. Es war der letzte Tag der Ferien, als ich, mit meiner Mutter am Steuer, zum Bahnhof fuhr. Die Koffer voll mit meinen Sachen, die ich zum Überleben in einem kleinen Dorf brauchte. Beim Bahnhof angekommen, half mir meine Mutter, meine Sachen in den Zug zu hieven, dann blieb sie draußen stehen und winkte mir zu. Ich winkte nicht zurück, stattdessen, guckte ich ihr nur verächtlich nach. Sie hatte mich tatsächlich in einen Zug nach Konoha gesteckt. Der Ort war so klein, das er nicht mal auf der Landkarte war. „Oh man...“, murmelte ich. Nachdem ich meine Koffer zusammengesucht hatte, setzte ich mich auf einen der freien Plätze hinter mir. „Na, wo soll's denn hingehen?“, fragte der Mann neben mir. Er war schätzungsweise 25, vielleicht auch etwas jünger. „In die Hölle...“, erwiderte ich gereizt und guckte auf den Boden. „In die Hölle? Warum das?“, fragte der Mann neugierig. „Weil meine Mutter mich nicht leiden kann.“, gab ich zurück. Der Mann lachte leise. Verwundert guckte ich ihn von der Seite an. Erst jetzt fiel mir auf, dass er pechschwarze Haare hatte, die zu einem langen Zopf zusammengebunden waren, wie mein Vater es früher in seiner Jugend hatte. „Warum lachen sie?“, fragte ich ihn. „Ich glaube nicht, dass deine Mutter dich nicht mag. Schließlich, ist sie ja deine Mutter.“ Wieder lachte er. „Und warum schickt sie mich dann weg?“, fragte ich ihn bissig. „Keine Ahnung, aber sie hatte sicher einen Grund.“, antwortete der schwarzhaarige. Ich zuckte die Achseln. „Und wenn schon." Der Mann wollte etwas erwidern, doch da erschien der Schaffner: „Kann ich ihre Fahrkarte sehen, Maidame?“ Ich kramte in meiner Tasche, holte die Fahrkarte raus und präsentierte sie ihm: „Hier, bitte schön.“ „Danke sehr.“ Mit einem schleimigen Lächeln begutachtete er die Karte und gab sie mir wieder. Das gleiche machte er auch mit dem Mann neben mir. Nachdem der Schaffner das Abteil verlassen hatte, fing der schwarzhaarige wieder an zu sprechen: „Was glaubst du, ist der Grund deiner Mutter?“ „Sie will mich loswerden, ist doch klar.“ Beleidigt verschränkte ich die Arme vor der Brust. Danach war erst mal Stille. Zwischendurch spähte ich zu dem mysteriösen Mann hinüber. Er las die ganze Zeit über und sagte kein Wort. Er bewegte sich auch nicht. Auch als ich einmal wegging, zur Toilette, saß er noch immer in der selben Position wie vorher. Vorsichtig zupfte ich ihm am Ärmel: „Entschuldigung?“ Der Mann schaute von seinem Buch auf und sah mich freundlich an. „Sagen sie... was würden sie in meiner Situation machen?“, fragte ich verunsichert. „Hmm...“, nachdenklich rieb er sich das Kinn. „Ich glaube, ich würde einfach versuchen, das Beste draus zu machen. Mehr kann man da auch gar nicht tun.“ „Danke...“ Ich dachte über seine Worte nach. Klar, das Beste daraus machen. Das war einfacher gesagt, als getan. Was sollte denn daran gut sein? Erneut schaute ich zu dem Mann. Der war aber schon wieder in sein Buch vertieft. Noch eine Stunde, bis der Zug mich zum Ende meines Lebens bringen würde. Diese Stunde sollte ich nicht mit Langeweile verplempern. Ich suchte also mein Buch und fing an zu lesen. Leider konnte ich nicht damit aufhören, zwischendurch zu dem Mann zu gucken. Er strahlte so etwas geheimnisvolles aus, fand ich. Ich stieß einen leisen Seufzer aus. Der schwarzhaarige drehte sich zu mir: „Ist etwas?“ „Nein, nichts.“, stieß ich hervor, wobei ich rot wurde. Er drehte sich wieder weg, grinste einmal kurz und las weiter. Ich zog das Buch ganz dicht vor mein Gesicht und versank in Demut. Ungefähr 20 Minuten später, hielt der Zug an meinem Ziel an. Ich schnappte mir meine Koffer und stolperte aus dem Zug. Ein letztes Mal wollte ich noch zurückschauen, um den Mann zu sehen, doch er war weg. Gut, dann eben nicht, dachte ich und suchte den Ausgang. Als ich ihn endlich fand, nahm ich meine Koffer und ging raus. Vor dem Bahnhof, bemerkte ich zum ersten mal, wie kalt es war. Schnell zog ich meine Jacke über und setzte mich auf einen der Koffer. Jetzt hieß es warten. „Ich hoffe mal, er hat sich abgewöhnt immer zu spät zu kommen...“, murmelte ich. Leider, schien das nicht der Fall zu sein. Denn nach einer ganzen Stunde, tauchte er immer noch nicht auf. „Also das geht jetzt zu weit!“, motzte ich, während ich wie ein kleines Kind mit dem Fuß aufstampfte. „Was genau, wenn ich fragen darf?“ „Ach, erweist du mir jetzt endlich die Ehre und -...“ Ich verstummte, nachdem ich sah, wer mich das fragte. „Sie?!“ Der schwarzhaarige lächelte freundlich und stellte mir erneut seine Frage. „Mein Bruder hat mich vergessen.“, antwortete ich. „Wenn du willst, kann ich dich mitnehmen.“, bot mir der Mann an. „Ja, warum nicht.“ Der Mann nahm meine Koffer und trug sie zu einem der Autos. Es war ein roter Porsche. Ich guckte ihn erstaunt an, dabei sah ich, wie er leicht rötlich im Gesicht wurde. Er setzte sich ans Steuer und bat mich, neben ihm Platz zu nehmen. Das ließ ich mir doch nicht zweimal sagen. „Wo wohnt denn dein Bruder?“ „Moment, die Adresse hab ich hier aufgeschrieben.“ Ich kramte in meinen Jackentaschen, danach in meinen Hosentaschen und letztendlich fand ich sie in meinem Portemonnaie. „Hier.“ Ich übergab ihm den Zettel. „Ah, ich weiß wo das ist.“, sagte er und fuhr los. „Ähm... wie heißen sie eigentlich?“, fragte ich vorsichtig. Der schwarzhaarige lachte. „Itachi, Itachi Uchiha. Und du?“ „Caro Hatake.“, antwortete ich ihm. „Du kannst mich übrigens auch duzen.“, sagte Itachi und lächelte. „Cool.“ „Auf welche Schule gehst du eigentlich?“, fragte er. „Auf die Ninja-Akademie.“ Er nickte. Über den Namen der Schule wunderte ich mich immer sehr. „So, wir sind da.“ Itachi stieg aus dem Auto und öffnete mir die Tür. „Danke.“ Danach half er mir noch die Koffer zum Haus zu tragen. Wir verabschiedeten uns noch voneinander, dann fuhr er los. Als ich klingelte, fiel mir ein kleiner Zettel aus der Jackentasche. Ich hob ihn auf und las was drauf stand. Er war von Itachi, darauf stand seine Handynummer. Glücklich verstaute ich ihn in meinem Portemonnaie. Gleich morgen würde ich ihm schreiben, jetzt war ich zu geschafft. Erst jetzt fiel mir auf, dass mir noch immer niemand die Tür geöffnet hatte. Also klingelte ich erneut. Da immer noch niemand öffnete, fing ich an Sturm zu klingeln. Endlich öffnete jemand die Tür: „Ja?“ Ein zerzauster in Boxershorts gehüllter Kakashi stand vor mir. „Also, ich weiß zwar nicht, was du gerade gemacht hast, aber ich würde dir raten damit aufzuhören.“, sagte ich und marschierte an ihm vorbei in den Flur. Ohne das ich ihn ansah, wusste ich, dass er jetzt einen roten Kopf hatte. „Ach ja, danke das du mich vom Bahnhof abgeholt hast. War wirklich nett von dir, Brüderchen.“ „Das war heute?!“, fragte er und drehte sich zu mir. „Ja, stell dir das mal vor. Aber auch wenn du es gewusst hättest, wärst du zu spät gekommen.“, warf ich ihm vor. Er wusste, dass ich Recht hatte. „Und wer immer da oben ist, sollte jetzt lieber gehen.“, sagte ich drohend. Natürlich hatte Kakashi keine Angst vor mir, aber er wusste, dass ich sie sonst wegschicken würde. „Ich versteh schon.“, sagte er und trottete nach oben. Währenddessen holte ich meine Koffer ins Haus und schloss die Tür. „Ich hätte es wissen müssen!“ Eine weinende brünette Frau rannte an mir vorbei aus dem Haus. „Jetzt warte doch mal...!“,hörte ich Kakashi rufen, doch als er merkte, dass die Frau weg war, guckte er mich sauer an. „Wer war das denn?“, fragte ich ihn. „Anscheinend meine Ex-Freundin.“, antwortete Kakashi wütend. „So wie die reagiert hat, wohl eher dein erster One-Night-Stand.“, erwiderte ich grinsend. Kakashi hob drohend die Faust und kam auf mich zu. „Man schlägt keine Mädchen.“, sagte ich. „Stimmt, du hast recht, meine Süße.“, antwortete er und tätschelte mich wie einen Hund. „Also, ich zeig dir jetzt dein Zimmer, mein Goldstück.“ „Halt die Klappe!“, fauchte ich. „Och, was ist denn? Geht’s dir nicht gut Schatz?“, flötete Kakashi. „Hör auf damit!“ Er konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, was mich noch mehr aufregte. Als er mir mein Zimmer zeigte, bemerkte ich, dass es sich direkt neben seinem befand. „Das Bad ist da.“ Er zeigte auf ein kleines Zimmer. „Ok. Ich geh dann mal Sachen auspacken.“ „Mach das, ich werde mich mal... anziehen.“Ich grinste, als er in seinem Zimmer verschwand. Mein Zimmer, war größer als mein altes und auch fröhlicher. Es hatte gelb gestrichene Wände und Parkettboden. Egal, ich will trotzdem wieder zurück. Hier ist es so spannend wie in einem Seniorenheim. Ich setzte mich auf mein Bett und seufzte. Dann schaute ich mich kurz in meinem Zimmer um. Ein großes Fenster, das bis zum Boden reichte, ein leerer Schreibtisch (es sah nicht so aus, als hätte Kakashi den mal benutzt) und natürlich das große Bett waren hier drin. Es war ein Doppelbett und ich hoffe, Kakashi hat es noch nicht gebraucht... „Na, gefällt dir dein Zimmer?“ Kakashi stand in der Tür, angezogen, und starrte mich erwartungsvoll an. Ich zuckte die Achseln. „Joa, ist ganz nett...“ „Hast du eigentlich schon das kleine „Extra“ bei deinem Zimmer gesehen?“ „Extra?“ Gespannt sprang ich vom Bett auf und folgte Kakashi zum Fenster. Er öffnete es und zeigte einen kleinen Balkon, mit einem Rosen-Gitter daran. „Das ist ja cool!“ Ich stockte. „Ich meine, ist ja ganz...ok.“ Kakashi grinste und wuschelte mir durch die Haare. Daraufhin guckte ich ihn sauer an. „Ich geh dann mal wieder, damit du in Ruhe auspacken kannst.“, sagte er und verschwand. Ich stützte mich mit den Ellbogen auf das weiße Geländer des Balkones und legte meinen Kopf in meine Hände. Die kühle Sonne strahlte in mein Gesicht und