Ninja wider Willen

Mein 1. Training

Kapitel 7

Gai brachte uns in ein Büro, wo eine blonde Frau an einem großen Schreibtisch saß. Ich erkannte sie sofort, es war die Frau, die letztens durch mein Fenster gestiegen war um Kakashi zu sprechen. „Gai, was willst du? Du müsstest jetzt eigentlich unterrichten.“, empfing die Frau uns. „Ich weiß, aber bei der Gruppeneinteilung ist ihnen wohl ein Fehler unterlaufen.“, verteidigte sich Gai. „Ein Fehler?“Die Frau lehnte sich zurück und platzierte ihre Füße auf dem Tisch. „Ja. Sie haben die drei“ Er zeigte auf den Rotschopf, Sasuke und mich. „in eine Gruppe gesteckt.“ „Das ist kein Fehler.“, sagte die Frau. „Ich habe das so beabsichtigt.“ „Aber das ist viel zu gefährlich!“ Gai haute mit der Faust auf den Tisch. „G-gefährlich?!“, fragte ich leicht geschockt. Ich guckte mich nach den beiden Jungen um. Sie standen stumm hinter mir und sahen beide gleich gelangweilt aus. Der Rotschopf trug etwas auf dem Rücken. Erkennen was es war, konnte ich aber nicht. „Ach Quatsch!“, sagte die Frau bestimmt. „Ich hab schon meine Gründe, warum ich die Gruppe so ausgesucht habe.“ Die Frau stand auf und schüttete sich ein Getränk in ihr Glas. „Wir können das nicht riskieren, Tsunade!“, argumentierte Gai. „Was denn?“, fragte ich. „Sie kann doch nichts, wie soll das dann was werden?“, fragte Gai sauer weiter. Empört mischte ich mich ein: „Ich kann sehr wohl was! Außerdem will ich jetzt wissen, was los ist!“ „Nichts!“, sagte die blonde. Dann wendete sie sich wieder Gai zu: „Ich treffe hier die Entscheidungen, die Gruppe bleibt! Und jetzt geht!“ Gai war sehr sauer, ging dann aber mit uns aus dem Büro, so wie die Frau es von ihm verlangte. „Also schön, ich will, dass ihr auf dem Trainingsplatz trainiert! Und ihr drei geht niemals ohne Aufsicht in den Wald, verstanden?!“ Die Jungen nickten, ich stimmte auch zu. Gai musterte uns noch einmal, bevor er verschwand. „Ok... dann gehen wir mal besser.“, sagte ich und ging voran. „Andere Richtung!“, rief Sasuke. Sofort drehte ich um und überließ das Voranschreiten lieber den Jungen. Auf dem Trainingsplatz waren nur ein paar Bäume, Steine und ein Fluss. An manchen Stellen standen auch komische Puppen, die aussahen wie Vogelscheuchen. Als ich mir die Bäume genauer anschaute, sah ich, dass auf manchen Zielscheiben aufgemalt waren. „Ähh... wie genau trainiert man hier?“, fragte ich die Jungs. „So wie in der Halle.“, antwortete Sasuke stumpf. „Wow, was für eine Antwort... Sag mal, wie heißt du eigentlich?“ Ich tippte dem Rotschopf leicht auf die Schulter. Er drehte sich nicht um, beantwortete meine Frage aber trotzdem: „Gaara.“ „Cool. Ich bin -...“ „Caro Hatake, ich weiß.“ Langsam drehte er sich zu mir um. Aus dem Augenwinkel sah ich, wie Sasuke das Schauspiel beobachtete. „Die kleine Schwester von dem großen Hatake.“ Gaara's Augen blickten eiskalt, genauso war auch seine Farbe. Sein Blick wurde durch die schwarze Umrandung noch verschärft. „Woher weißt du das?“, fragte ich ihn misstrauisch. „Ich war vorhin auch in der Halle.“ Gaara zuckte die Achseln. „Wir sind hier um zu trainieren, nicht um zu quatschen!“, bestimmte Sasuke. „Stimmt, du hast recht...!“, sagte ich. „Kann mir jemand von euch was beibringen?“ Ich setzte meinen Hundeblick ein. Sasuke stöhnte genervt. „Von mir aus... am besten du übst zuerst werfen.“ Er drückte mir fünf Kunais in die Hand. Ich ging zu einem der Bäume und warf. Alle fünf landeten in der Nähe der Mitte, einer sogar wirklich mittendrin. Sasuke staunte nicht schlecht, als er meine Ergebnisse sah. Auch Gaara guckte leicht verwundert. „Ok... dann lauf jetzt mal den Baum hoch.“, sagte Sasuke. „Bitte?!“ Ich suchte den Platz nach Gaara ab, damit er mir sagte, das sei nur Spaß, doch er war nicht da. „Da oben.“, sagte Sasuke und zeigte auf den Baum. Gaara hing, mit dem Kopf nach unten, an einem Ast, aber er hielt sich nicht fest. Es war so, als ob seine Füße dort festklebten. Doch dann sprang er ab und landete direkt vor mir. „Und wie soll ich das machen?!“, fragte ich gereizt. „Du musst dein Chakra in deine Füße leiten.“, antwortete Gaara. „Was für 'n Ding?“ Verwirrt guckte ich die beiden an. „Dein Chakra.“, wiederholte Sasuke. „Ist das eine Art Schwert?“, fragte ich. „Wie kommst du denn auf so einen Quatsch? Chakra ist deine innere Kraft, mit der du Jutsus ausführst.“ „Ach, und du hältst mich für verrückt, ja?!“, maulte ich. Sasuke ließ verzweifelt den Kopf hängen. Gaara guckte belustigt. Warum sollte das Training denn gefährlich werden, fragte ich mich. Es machte eher Spaß, Sasuke auf die Palme zu bringen.

Das restliche Training verlief ungefähr genauso. Am Ende konnte ich einen Kunai werfen. Und was genau Chakra ist, hatte ich noch immer nicht verstanden. „Bis dann.“, sagte ich. Gerade wollte ich losgehen, doch da fiel mir ein, dass ich keine Ahnung hatte, wo ich lang musste. Mein Handy hatte ich heute dummerweise auch Zuhause vergessen... „Wolltest du nicht gehen?“, fragte Gaara mich. „Ja, stimmt, dann werde ich das mal tun.“ Unsicher sah ich mich um. Rechts? Links? Geradeaus? „Weißt du denn, wo du lang musst?“ Gaara sah mich an. Ein hauch von einem Grinsen lag auf seinen Lippen. „Wie man's nimmt.“, antwortete ich. „Also nicht?“ „Nein, nicht wirklich...“ Ich schüttelte den Kopf. „Komm, ich bring dich nach Hause.“, bot Gaara mir an. „Ehrlich? Danke, das ist echt lieb.“ Gaara rannte los. Ich versuchte ihm so gut es ging zu folgen. Bei meinem Zuhause angekommen, fragte ich Gaara noch etwas, bevor er wieder abhaute: „Woher wusstest du, wo ich wohne?“ „Kakashi ist mein Klassenlehrer, wir haben seine Adresse.“ Ich schmunzelte. Das hätte ich mir ja denken können. „Bis morgen.“ „Ja, bis morgen...“, verabschiedete ich mich von ihm. Schnell flüchtete ich zur Tür und klingelte. „Hey.“ „Hi...“ Sauer guckte ich Kakashi an. „Was ist? Ach ja, du hattest heute Sport, wie war's?“, fragte Kakashi unschuldig. „Furchtbar!“, sagte ich feindselig. „Wieso? Hast du dich etwa verletzt?“ Kakashi sah mich besorgt an. „Nein, ich hab nur heute erfahren, dass du ein Ninja bist...! Genau wie der Rest in diesem verdammten Dorf!“, schrie ich wütend. Ich verschränkte die Arme vor der Brust. „Beim Training, hat mich Sasuke übrigens fast umgebracht.“ „Warum?“, fragte Kakashi verdutzt. „Keine Ahnung. Just for fun?“, entgegnete ich. „Du hast von all dem nichts gewusst?“, stutzte er. „Woher denn?! Ich muss mit den anderen eine Prüfung machen. Ich sollte heute einen Baum hoch laufen und mir wurde irgendwas von einer inneren Kraft erzählt.“ „Hat dir Mama nie was davon erzählt?“, fragte Kakashi. „Nein. Sie hat mir eh nie irgendwas erzählt.“ Bedrückt guckte ich auf den Boden. Ehe ich es noch verhindern konnte, liefen mir schon wieder Tränen übers Gesicht. „Hey, Caro. Nicht weinen.“ Kakashi nahm mich in den Arm. „Was hast du denn?“ „Ich will hier nicht mehr sein...!“, flüsterte ich missmutig. „Du bist doch gerade mal vier Tage hier.“ Kakashi strich mir tröstend über den Kopf. „Es ist hier aber schrecklich! Ich hab nur Probleme hier!“ Weinend kuschelte ich mich enger an Kakashi. Dieser sagte ein paar tröstende Worte, aber eigentlich half es mir auch nicht. „Ich geh jetzt mal lieber hoch...“ Langsam löste ich mich aus der Umarmung und lief in mein Zimmer. Oben schmiss ich mich aufs Bett, legte meinen Kopf aufs Kissen und weinte weiter. Nach einiger Zeit fing mein Handy an zu klingeln. Ich wollte zuerst auf rot drücken, aber dann sah ich, dass Naruto der Anrufer war. Also beschloss ich doch ran zugehen: „Ja?“ Ich hörte mich an wie ein Häufchen-Elend. „Bist du ok?“, meldete sich Naruto's Stimme. „Hör ich mich so an?!“, motzte ich. „Sorry. Ähm...“ Zum ersten mal war Naruto sprachlos. „Weißt du was? Ich komme jetzt zu dir, dann zauber ich dir wieder ein Lächeln in dein Gesicht. Versprochen!“ „Nein, warte-...“ Naruto hatte schon aufgelegt. Das war so typisch für ihn... Zehn Minuten später stand er auch schon da. Nein, nicht an der Tür. Wie alle anderen kam auch er durchs Fenster: „Hi. Geht’s dir besser?“ Ich schüttelte den Kopf. Naruto setzte sich neben mich aufs Bett. Ich legte meinen Kopf auf seinen Oberschenkeln ab und starrte an die Decke. „Warum?“ „Was „warum“?“ Naruto sah mich verwundert an. „Warum passiert mir das alles?“, fragte ich bedrückt. „Weil es immer den Guten passiert.“, antwortete Naruto. Ich lächelte. Tatsächlich... Naruto war kaum fünf Minuten da, und hatte mir schon ein Lächeln auf die Lippen gezaubert. „Caro?“ „Hm?“ „Du lächelst...“ „Ich weiß... danke.“ Ich schloss die Augen und schlief kurz darauf auch schon ein.

Am nächsten Tag musste ich ausnahmsweise mal Kakashi wecken. Ich wollte ihm alles heimzahlen, was er mir angetan hatte. Also füllte ich einen großen Eimer mit kaltem Wasser und schüttete ihn über Kakashi. Zu meiner Verwunderung, wachte er aber nicht auf. „Du bist echt durchschaubar.“ Es war Kakashi's Stimme, allerdings bewegte sich sein Mund nicht. Plötzlich, tauchte ein weiterer Kakashi vor mir auf. Dieser grinste. „Wie? Was? Aber du...?“, fing ich an. „Das ist nur eine Kopie.“, erklärte er. „Lass mich raten, es hat etwas mit deinem Chakra zu tun?“, riet ich. Kakashi nickte. Beleidigt schlenderte ich an ihm vorbei ins Bad. Heute machte ich mich schneller fertig als gewöhnlich, sodass ich auch schneller mit Kakashi zur Schule fuhr. Im Auto, dachte ich an gestern Abend. Hatte ich vielleicht nur geträumt, dass Naruto hier war? Es fiel mir schwer, mir einzubilden, es sei nur ein Traum gewesen. „Was denkst du?“, fragte mich Kakashi. „Ich hab nur an gestern gedacht...“,