Fanfic: Linn

Kapitel: Erklärung

Am nächsten Morgen wurde Inu Yasha früh wach. Er bemerkte verwundert, dass Linn’s Schlafplatz leer war. Hatte er das ganze etwa nur geträumt? Er machte sich auf den Weg zur Quelle. Vielleicht würde ihm das kalte Wasser helfen einen klaren Kopf zu bekommen. Bevor er die Quelle erreicht hatte, sah er, dass Linn bereits dort war. Langsam trat er näher. „Morgen“, murmelt er. Linn drehte sich um und sah dann scheu wieder weg. „Guten Morgen“, sagte sie leise. Inu Yasha beugte sich über die Quelle und wusch sich das Gesicht. Er spürte wie Linn ihn beobachtete. Wütend drehte er sich um. „WAS??“, fauchte er sie an. Doch als er ihren verschreckten Blick sah, tat ihm dieser unnötige Wutausbruch bereits wieder leid. „Es tut mir leid.“, sagte er. „Ich bin verwirrt.“ – „Ich doch auch.“, flüsterte Linn. „Jetzt erzähl mir diese Schwesterngeschichte doch mal!“, sagte Inu Yasha fordernd. „Aber nur wenn du versprichst mich nicht wieder anzuschreien!“, erwiderte Linn. „Ich versuch’ s.“, sagte er. Linn’s rechte Augenbraue hob sich. „In Ordnung, ich verspreche dich nicht anzuschreien.“, sagte Inu Yasha ungeduldig. „Also gut, ich...“, setzte Linn an. „Aber du kannst nicht meine Schwester sein!“, unterbrach Inu Yasha sie. „Mein Vater ist kurz nach meiner Geburt gestorben. Und meine Mutter... das hätte ich doch gemerkt!“ – „Wenn du mich ausreden lassen würdest, könnte ich es dir erklären.“, sagte Linn trotzig. „’Tschuldige.“, brummte Inu Yasha. „Also, in gewisser Weise hast du Recht. Ich kann nicht deine jüngere Schwester sein. Jedenfalls nicht viel jünger... Aber ich könnte zum Beispiel deine ältere Schwester sein. So hättest du vielleicht nie von mir erfahren.“, begann Linn erneut. „Aber du siehst nicht älter aus als ich!“, fiel Inu Yasha ihr abermals ins Wort. „Stimmt. Ich bin nicht älter als du, sondern sogar ein paar Stunden jünger. Ich... ich bin deine Zwillingsschwester.“, sagte sie unsicher und bereitete sich schon auf Inu Yasha’s nächsten Wutanfall vor. Doch der kam nicht. Inu Yasha musste merklich schlucken. Das wurde ja immer besser! Erst Schwester, dann Zwilling! Was kam als nächstes?? „Aber das kann nicht sein! Warum hab ich nie etwas von dir gewusst, wenn wir doch Zwillinge sein sollen?“, fragte Inu Yasha verständnislos. „Unsere Eltern haben mich gleich nach meiner Geburt in eine Pflegefamilie in einem Menschendorf gegeben. Anscheinend wollten sie mir eine behütete Kindheit in einer sicheren Umgebung ermöglichen. So wuchs ich also bei einer Menschenfamilie auf. Natürlich merkte ich bald, dass sie nicht meine richtige Familie sein konnten. Schließlich war ich zur Hälfte ein Dämon. Ich fragte meine Pflegeeltern danach und sie erzählten mir die Wahrheit. Außerdem sagten sie mir, dass meine richtigen Eltern bereits gestorben seien und ich akzeptierte das. Erst vor ein paar Monaten erfuhr ich, dass ich auch einen Bruder habe. Ich kam in das Dorf, in dem unsere Mutter einst gewohnt hatte. Dort traf ich auf Menschen, die sie gekannt hatten und sie erzählten mir von dir. Seitdem bin ich auf der Suche nach dir. Ich musste dich einfach finden!“ Sie stockte und sah ihn an. „Und jetzt hab ich dich endlich gefunden und du glaubst mir nicht. Ich kann dich ja verstehen. An deiner Stelle würde ich so eine Geschichte auch nicht glauben. Aber ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass du mir glaubst!“, sagte sie und sah ihm dabei tief in die Augen. Er konnte es nicht leugnen. Dieses Mädchen hatte irgendetwas besonderes an sich. Etwas vertrautes. Inu Yasha beugte sich leicht zu Linn hinüber und schnupperte an ihr. Sie schien überrascht, aber wich nicht zurück. Dieser Geruch, der ihm so bekannt vorgekommen war. Jetzt erinnerte er sich. Es war der Geruch seiner Mutter. „Wenn das einer von Naraku’s Tricks ist, dann ist er in letzter Zeit wirklich gut geworden!“, murmelte Inu Yasha. „Naraku? Diesen Namen höre ich jetzt schon zum zweiten Mal. Wer ist das?“, fragte Linn neugierig. „Der Feind! Das Böse in Person!“, zischte Inu Yasha bitter. „Aber ich werde ihn zur Strecke bringen!“, fügte er entschlossen hinzu. Linn sah ihn bewundernd an. Vielleicht war es gar nicht so schlecht eine kleine Schwester zu haben... „Was hast du gesagt? Du bist nach mir geboren?“, fragte Inu Yasha. „Ja, aber nur ein paar Stunden.“, erwiderte Linn überrascht. „Dann hab ich jetzt also eine kleine Schwester.“, überlegte er laut. „Und ich einen großen Bruder!“, strahlte Linn und schlang ihre Arme um seinen Hals. Inu Yasha drückte sie vorsichtig an sich. Er empfand tatsächlich eine Art Zuneigung für dieses Mädchen. Seine Schwester... Daran würde er sich erst gewöhnen müssen. „Na komm, lass uns zurück zu den anderen gehen. Ich muss ihnen schließlich noch meine kleine Schwester vorstellen.“, sage er augenzwinkernd. Und lachend liefen die beiden zurück zur Lichtung.