Fanfic: Streik der Bösewichte
Kapitel: 1.
Hell klapperten Die Schuhe von Voldemort über die Fliesen des Gangs. Energisch steuerte er auf die große Tür des Saals zu, die leicht angelehnt war. Er stieß sie weit auf, worauf das Raunen, das zuvor noch herausgedrungen hatte, verstummte.
Angespannt sahen die bösen Feen, die Hexen, Zauberer, böse Stiefmütter und noch viele andere düsteren Gestalten zu, wie sich ihr Oberhaupt majestätisch einen Weg durch die voll besetzten Tische zu seinem Pult bahnte.
Der Raum wirkte unheimlich düster, da die Wände und Tische mit schwarzem Stoff verkleidet waren.
Voldemort hob eine seiner abgemagerten Hände und schlug einmal kräftig vor sich auf das Holzpult. Sofort änderten die schwarzen Laken ihre Farbe und wurden hellgrau, fast weiß. Aber nur fast.
Erstaunte Blicke wurden zwischen den dunklen Gestalten getauscht. Es kam selten vor, dass ihr Meister den Raum erhellte.
Dieser räusperte sich kurz und begann dann mit einer unheimlich drohenden Stimme:
"Bestimmt wollt ihr alle wissen, warum ich euch alle zusammengerufen habe... Es hat einen äußerst wichtigen Grund, nämlich das Ergebnis der Wahlen vor zwei Monaten."
Er setzte sich eine Brille mit einem altmodisch großem Gestell auf die Nase und fing an von einem vor sich liegendem Zettel vorzulesen.
"Ganze 86% waren für eine Gleichberechtigung mit den Guten, 14% dagegen. Das heißt, wir werden den Guten den Antrag ausstellen. Ansonsten...", er machte ine Pause und versuchte vergeblich mit einem Lächeln durch die Reihen zu schauen "werden wir in Streik treten. Daher auch die helle Dekoration. Ich habe mein bestes gegeben, aber Weiß wird uns immer noch verboten. Doch das wird sich bald ändern!"
Rauschender Beifall erklang. Die Sitzung war beendet.
Einige Stunden später trafen sich Dracula, die Hexe von Hänsel und Gretel und Aschenputtels Stiefmutter im "Klappernden Skelett".
Während sie über den Vortrag diskutierten und sich etwas zu Essen bestellten, setzten sich die gute Fee und Schneewittchen unbemerkt in dunkle Gewänder verkleidet an den Nebentisch. Vor ihnen lag die letzte Tageszeitung von Gutenland ausgebreitet.
"Sieh dir das an!" Schneewittchen fuhr aufgeregt mit ihrem Finger über die Zeilen. ">>Dornröschen konnte nicht einschlafen<<, >>Bei den 7 Zwergen fiehl der Angriff der Stiefmutter aus<<... Was machen die bloß?"
"Pssst!" Die gute Fee legte den Zeigefinger auf den Mund. "Nur nicht so laut. Ich kenne das Problem, deshalb wollte ich mit dir auch in dieses Lokal. Siehst du die Gestalten am Nebentisch? Mein Plan ist...
Doch davon bekamen die drei Freunde nichts mit.
Gerade sind ihenen die Getränke serviert worden, die sie nun gemütlich schlürften.
"Ich finde, dass Voldemort recht hat.", meinte die Hexe. "Die Guten haben viel mehr Freiheiten und drängen uns in eine Ecke, wo wir gar nicht hinwollen. Das war bei mir auch so. Seid ihr etwa erfreut, wenn die Geuten eure Häuser demolieren, bloß weil es aus Lebkuchen ist? Das wöre ja auch gar nicht so schlimm gewesen, wenn die beiden den Schaden wenigstens gescheit abgearbeitet hätten. Aber nein, der Junge muste sich beim Gänseausmisten so blöd anstellen, dass er sich selbst eingesperrt hat. Den Schlüssel dazu habe ich erst wieder gefunden, als ich das Brot, das das Mädchen gebacken hatte, gegessen habe. Wer ist schon so blöd und knetet Schlüssel in den Teig ein?
Natürlich war mal wieder ich schuld, und mein Gesicht ist entstellter als zuvor."
Sie deutete auf die großen weißen Flecken in ihrem Gesicht, die das Feuer des Ofens hinterlassen hatte.
"Einmal Pommes, einmal Suppe und einmal Spaghetti.", ertönte die Stimme des Kellners Räuber Hotzenplotz, der die Teller vor ihnen abstellte. Genüsslich fingen sie an zu essen.
Plötzlich sprang Dracula mit rot verschmiertem Mund und totbleichem Gesicht von seinen Pommes auf und raste in die Richtung Toiletten.
Seufzend erhob sich auch die Stiefmutter. "Ich sehe mal nach ihm..."
Kurz darauf traff sie Dracula vor dem Waschbecken der Toiletten an.
"Mensch, Dracula... Du weißt doch, dass du kein Ketchup verträgst."
"Natürlich.", brummte der. "Ich habe mir auch keines bestellt. Aber selbst du könntest es nicht erkennen, wenn es heimlich untergemischt ist du farbenblind wärst. Das waren die Guten...- wie immer."
Er sah auf seine Uhr. "Pass auf! In 15 Sekunden muss jetzt gleich irgendjemand in dem Lokal tot umfallen..."
Er hatte recht. Kurz darauf ertönte aus dem Flur ein erschütternder Schrei.
"Was habe ich gesagt?"
Dracula wusch sich noch schnell das Ketchup aus dem Gesicht, doch dann wurde schon dir Tür aufgerissen und Robin Hood stürmte herein.
"Aha! Da haben wir auch schon den Täter! Du kannst es wohl nicht lassen, was?"
"Ich bin unschuldig!", jammerte Dracula. Doch alles Widersetzen nützte ihm nicht.
Erneut ging die Tür auf und Dornröschen kam mit verschlafener Miene herein.
"Tut mir leid!", jammerte sie, nachdem sie erst einmal ausgiebig in die Runde gegähnt hatte. "Ich hatte mal eider einen kleinen Schlafanfall..."
Mit zornigem Blick wurde sie von Robin Hood bestraft. "Bist du still!!!", zischte er. "Du hast mir soeben eine Festnahme vermasselt!" Wütend wandte er sich ab und rauschte mit riesigen Schritten aus dem Raum.
Weinend rannte die Prinzessin hinterher. "Es tut mir so leid! Es tut mir so leid!...", hörte man sie immer wieder jammern.
Dracula atmete erleichtert auf.
"Da hast du noch einmal Glück gehabt.", meinte die Stiefmutter. "Aber diese Situation hat uns mal wieder gezeigt, wie ungerecht wir behandelt werden. Nicht einmal in seiner eigenen Stadt kann man in Ruhe essen gehen!"