Fanfic: Orion
mehr."
"Wir haben ihn als vermisst gemeldet", erzähle ich mit trockenem Mund, "er ist verschwunden, eines Nachts. Und nicht wiedergekehrt."
Müßig, zu sagen was mit ihm passiert war. Es ist ihr klar, so wie es mir jetzt klar wird - er wurde von irgendeinem Vampir überfallen und hat irgendwo draußen in den Straßen sein Leben ausgehaucht... und ein neues begonnen.
"Warum ist er verschwunden?" fragt sie mit der offenen Neugier der Polizistin in ihr, was mich unter anderen Umständen wohl zum Lächeln gebracht hätte.
Unter anderen Umständen. So aber antworte ich nur mit dem erschöpften Tonfall eines Menschen, der mehr ertragen muss als er eigentlich kann: "Er war auf der Suche nach Dorian."
Ihre Augen weiten sich und sie legt ihren Kopf zur Seite. "Aber war der nicht...?"
Ich verziehe ein wenig mein Gesicht. "Nein, war er nicht", erwidere ich matt, "jedenfalls nicht im herkömmlichen Sinn. Beziehungsweise war er das zu dem Zeitpunkt nicht." Ein kleiner schmerzhafter Stich der Schuld durchfährt mich. "Aber das wusste ich damals nicht."
"Man erzählt sich Sachen über Allan, Ryan", bemerkt sie beiläufig und baumelt mit den Beinen, während sie an ihrem Schokoladeneis leckt.
Ich nicke und seufze. "Ich weiß", antworte ich und verscheuche eine Biene, die um meinen Kopf herum surrt, "er ist jetzt immer abends noch draußen, wenn es schon dunkel ist."
Sie sieht mich mit einem Ausdruck von Ernsthaftigkeit an, der bei jeder anderen Elfjährigen komisch wäre, bei ihr aber nur passend erscheint. "Es ist gefährlich draußen", erklärt sie, als ob ich das nicht wüsste, "du solltest ihn davon abhalten."
Ein kleines Schnauben entfährt mir. "Als wenn ich das könnte", entgegne ich ironisch, "du weißt doch, wie stur er ist!"
"Klar", meint sie, "er ist dir ziemlich ähnlich!"
Ich kräusele abfällig meine Mundwinkel, und sie fängt leise an zu kichern. "Wirklich", sagt sie dann, als sie sich wieder gefangen hat, "du musst ihn davon abhalten. Was ist, wenn ihm was passiert?" Sie senkt leicht den Blick und berührt sacht ihr Knie mit meinem. "Du willst doch nicht noch einen Bruder verlieren, oder?"
Obwohl die Sonne warm vom Himmel scheint überkommt mich plötzlich eine Gänsehaut und ich schlucke. "Nein, Leia. Das will ich wirklich nicht."
"Was?" fragt sie völlig konfus und sieht mich an als wäre ich irre, was ich ihr im Augenblick nicht einmal verdenken kann.
"Mein Vater ist ein Rosar", sage ich schließlich, wohlweislich die Tatsache verschweigend, dass er deren König ist, "und die Rosar sind..."
"Ich weiß was sie sind", unterbricht sie mich und ihre Augen leuchten unnatürlich auf, "und es gibt sie wirklich? Die Rosar?"
Ich verziehe leicht die Mundwinkel. "Ich bin der lebende Beweis."