Fanfic: Orion

"tut sie das?"
"Ja", antwortet sie, um Ruhe bemüht, "und? Stimmt es?"
Ich lache lautlos und fasse ihre Hand etwas fester. "Nein." Und hänge in Gedanken an: Du bist doch die Einzige, schon immer gewesen.
Sie sagt nichts mehr und so tanzen wir schweigend, bis die Musik schließlich endet.

Ich blinzele leicht, um die Erinnerung zu verdrängen, obwohl sie diesmal noch präsenter ist als alle anderen vorher. Noch immer kann ich ihr Parfüm riechen, fühle die Wärme ihrer Hand in der einen und den Stoff ihres Kleides in der anderen Hand, und noch immer schlägt mein Herz eine Spur schneller, wie es es früher immer getan hat, wenn ich ihr nahe war.
Verflucht, wird mir mit einem Male klar, ich war glücklich, früher.
Bevor ich noch tiefer in die auf mich lauernde Depression verfallen kann, höre ich plötzlich Schritte einer sich nähernden Person.
Ich springe auf die Füße und stelle mich rein gewohnheitsmäßig vor Eleonora, um sie vor dem etwaigen Angreifer zu schützen.
Was sich als unnötig herausstellt, denn der Ankommende ist niemand anderes als Dismas, zur Abwechselung mal in menschlicher Form.
"Orion", sagt er begrüßend und lässt seinen Blick über mich schweifen, "na, das Augenproblem noch immer nicht geklärt?"
Augenproblem?!
"Gewöhn dich lieber dran", knurre ich ungehalten zurück. Typisch, wirklich absolut typisch - nicht das geringste Gespür für die Gefühle der anderen. Dusseliger Werwolf.
Er verzieht abschätzig die Lippen. "Naja, mal sehen", gibt er vage zurück, und ich würde am liebsten seine Zunge um seinen Hals wickeln und ihn damit erdrosseln, "ist ziemlich merkwürdig. Leuchten die denn wenigstens noch im Dunkeln?"
Ich zwinge mich, ganz ruhig zu atmen. "Habe ich noch nicht ausprobiert", erwidere ich um Fassung ringend. Dismas hatte wirklich eine Art, mich an den Rand eines Nervenzusammenbruchs zu treiben, ohne sich großartig anzustrengen. Kein Wunder, dass er sich so gut mit Mullholland verstand.
"Hrmpf", macht er vieldeutig, und schiebt seine Hände in die Taschen seines Mantels.
Schweigen.
"Ist noch irgendetwas?" frage ich schließlich entnervt, da er keine Anstalten macht zu verschwinden oder sonst etwas nützliches zu tun.
"Ja", antwortet er, "es ist Nacht und die Boten warten. Weißt du, auch wenn du es vielleicht schon wieder vergessen hast, sie sehen so etwas wie einen König in dir."
Eins haben alle meine Leben wenigstens gemeinsam, denke ich dumpf, in jedem war ich irgendwie königlich angehaucht.