Drachengeist
Reise ins Nichts
Zweites Kapitel:
Reise ins Nichts
Am nächsten Morgen erwachte Jessica früh, als die kleinen Wesen zu ihr kamen und sie weckten. Sie stand auf und reckte sich. Jáy war bei der Steinmauer und öffnete sie, ging mit einigen kleinen Wesen raus und holte ein paar Früchte.
„Guten Morgen!“, sagte sie zu dem kleinen Wesen neben sich, “hast du gut geschlafen?“.
„Tajäh“, antwortete es.
„Kommt mal mit! Wir gehen zum See!“
Viele kleine Wesen folgten ihr. Dort wusch sie sich das Gesicht. Einige Wesen sprangen in den See hinein und schwammen ein wenig.
„Kommt, wir essen!“, sagte Jáy.
Sie alle gingen zurück zur Höhle, wo viele Früchte lagen. Die kleinen Wesen nahmen
gierig die Früchte und verspeisten sie. Auch Jáy nahm sich eine und aß. Nur Jessica wollte nicht, denn sie konnte sich einfach nicht an den Gedanken gewöhnen, für immer in dem Garten bleiben zu müssen. Besonders nicht weil ein Junge bei ihr war; ein Junge dem sie gegenüber Sympathie zeigte, obwohl sie Jungen hasste und trotzdem froh war, dass er bei ihr war und sie gerettet hatte.
„Du musst auch etwas essen! Probier mal! Die Früchte sind gut!“, sagte Jáy.
„Ich möchte nicht“, entgegnete Jessica ohne einen Ausdruck in ihrer Stimme.
„Wenn du nichts isst verhungerst du noch, so dünn wie du bist…“
Sie nahm sich eine Frucht und kaute lange auf jedem Bissen herum. Die kleinen Wesen waren schon aufgestanden und liefen wieder herum.
„Es ist gut, wenn du hier bist, denn dann bin ich nicht so allein. Ich meine, die Wesen sind hier, aber die sind ganz anders als ein Mensch mit dem man sich unterhalten kann; anders als du…“ Er
brach ab.
„Was meinst du damit?“
„Ich meine… ähä, also… schönes Wetter heute, findest du nicht?“ Jáy versuchte von dem abzulenken, was er gerade gesagt hatte, doch Jessica glaubte zu wissen was er gemeint hatte.
„Warum müssen Jungen immer solche Feiglinge sein!? Warum sagen sie immer so … so dumme Sachen!? Aber mit dem Wetter hatte er Recht. Es ist wirklich schön. “
Jessica stand auf und sah sich noch einmal um. Der Himmel war wolkenlos klar und die Sonne schien strahlend auf sie herab. Es war dieselbe Sonne wie auf der Erde. Vielleicht waren sie noch auf der Erde, doch Jessica wusste es nicht. Sie konnte überall sein: Auf der Erde, auf einem anderen Planeten oder in einer anderen Dimension, möglich war alles.
Sie ging zu dem See, in den der riesige Wasserfall laut plätscherte. Sie kniete sich hin und berührte mit ihrer Hand das angenehm kühle Wasser. Sie schaute in den Teich hinein und sah etwas auf dem Grund liegen. Es schimmerte hell und glitzern.
„Kannst du mal kommen Jáy, da ist etwas in dem Wasser!“
„Was ist denn?, fragte Jáy.
„Schau mal! Da ist etwas auf dem Grund dieses Sees!“
„Du hast Recht! Ich kann mich aber
nicht erinnern, dass das schon immer dort gewesen ist, aber es kann ja nicht einfach aufgetaucht sein!“
„Ich werde versuchen es zu holen.“, sagte Jess kühn.
„Pass aber auf! Es sieht zwar von hier
nicht so aus, aber das Wasser ist sehr tief! Ich glaube ungefähr fünf Meter! Als ich hierher gekommen bin, bin ich in den See gefallen und benahe darin ertrunken, weil sich meine Klamotten voll Wasser gesaugt haben und mich nach unten gezogen haben…“
„Ich pass schon auf!“
Sie zog ihre Jacke aus, damit sich nicht alle ihre Klamotten voll Wasser saugten und sie wie Jáy nach unten zogen.
„Im Schwimmunterricht musste ich schon mal jemanden mit Klamotten retten; dann schaffe ich es jetzt doch auch mit Klamotten zu tauchen!“
Elegant machte sie einen Köpper ins Wasser und hielt dabei die Luft an.
„Jáy hatte Recht gehabt: Das Wasser ist wirklich tief! Trotzdem schaffe ich es! Ich bin doch gut in Sport und Schwimmen!“
Nach einigen Beinstößen war sie auf dem Grund des Sees. Nun sah sie auch das glitzernde Ding: Es war ein Faust großer, blau-weiß schimmernder Diamant. Die eine Hälfte des Diamanten steckte fest im Boden, die andere ragte hervor. Jessica versuchte mit aller Kraft den Diamanten zu lösen, aber sie schaffte es nicht. Schnell schwamm sie wieder nach oben, um Luft zu holen. Sie kam nur schwer an die Oberfläche, weil ihre triefendnassen Sachen sie nach unten zogen.
An der Oberfläche atmete sie tief durch und sagte keuchend:„Da Unten ist ein Diamant… er ist im Boden und ich… bekomme ihn nicht raus…“
„Ich helfe dir!“, sagte Jáy und sprang ebenfalls ins Wasser. „So ein Angeber! Er versucht sich bei mir einzuschmeicheln, weil er mir helfen will! Ich brauche keine Hilfe! Und besonders nicht von ihm!“, dachte sie und verdrehte die Augen.
Auch Jess tauchte wieder unter und schwamm zum Grund des Sees. Dort versuchte auch Jáy den Diamanten aus der Erde zu ziehen. Er versuchte Jessica mitzuteilen, dass sie zusammen versuchen mussten den Stein aus der Erde zu bekommen. Das Mädchen verstand und griff nach Jáys Arm. Selbst nach kräftigem ziehen und zerren schafften sie es nicht und schwammen wieder zur Oberfläche. Dort setzten sie sich auf das Gras am Rand des Sees und verschnauften erst einmal.
„Dieser... Stein steckt wirklich tief... im Boden! Lass es uns... gleich noch... noch einmal versuchen...“, sagte Jáy keuchend und spuckte Wasser.
„Du hast... hast Recht! Wir müs... müssen es noch mal versuchen! Bis... wir es schaffen!“
Nach wenigen Minuten hatten sie sich ausgeruht und sprangen erneut ins Wasser. Es war eisigkalt, doch trotzdem holten sie tief Luft und tauchten wieder zum Grund des Sees. Dort packte Jessica den Diamanten fest mit beiden Händen und Jáy schwamm hinter sie und zog an ihren Armen. Immer gleichmäßiger und stärker versuchten sie den Diamanten aus dem Sand- und Steinboden zu ziehen.
„Wir müssen es schaffen! Wieso steckt dieser Diamant so fest in der Erde?!“
Nach vier, fünf Rucken sammelten sie ihre ganze Kraft und versuchten es noch einmal- wieder kein Erfolg. Ein letztes Mal wollten sie es probieren, dann mussten sie wieder an die Oberfläche schwimmen um Luft zu holen. Gemeinsam und mit ihrer ganzen Kraft packten sie den Stein, lehnten sich ein Stück nach hinten und zogen, zogen so doll es nur ging. Plötzlich gab der Boden nach und sie konnten den
Diamanten heraus ziehen. Doch als
Jessica den Diamanten in ihrer Hand fest umklammert hielt und mit Jáy zurück zur Oberfläche schwimmen wollte, entstand in dem Loch, in dem der Diamant gesteckt hatte ein Strudel- und er wurde sehr schnell immer größer. Nach ein paar Sekunden war er größer als sie.
Der enorme Sog wirbelte sie herum. Jáy klammerte sich mit seiner verbleibenden Kraft an einem Felsen fest und versuchte mit der anderen Jessicas Arm zu erreichen. Doch plötzlich riss der Teil des Felsens an dem sich Jáy festgehalten hatte weg und er wurde zusammen mit Jessica herum gewirbelt.
In Jessicas Kopf dreht sich alles und sie wurde Mark erschütternd herumgewirbelt. Sie musste irgendwie versuchte an einen Felsen zukommen und schloss die Augen krampfhaft. Sie wusste, wenn nicht gleich etwas passieren würde oder sie an die Oberfläche kämen, würde ihnen die Luft ausgehen und sie würden ertrinken. Sie spürte schon, dass in ihren Lungen keine Luft mehr war und konnte den Reflex nicht aufhalten. Sie öffnete den Mund und versuchte einzuatmen, aber nur Wasser strömte durch ihre Nase und ihren Mund in ihre Lunge. Luftblasen kamen heraus und sie versuchte krampfhaft dass Wasser aus ihren Lungen zu würgen, aber es strömte nur immer mehr hinein. Sie merkte gar nicht mehr, dass sie immer heftiger durchgeschüttelt würde. Plötzlich prallte sie hart mit dem Kopf und dem Rücken gegen einen Felsen. Ihr Reflex aus-, und einzuatmen versagte und sie trieb mit offenem Mund im Wasser. Sie versuchte nicht einmal ihre Augen zu öffnen oder sich zu bewegen. Sie würde es sowieso nicht schaffen. Ihr würde trotzdem alles schwarz vor ihren Augen sein und sie würde keinen ihrer Muskel bewegen können; Sie wurde wieder ohnmächtig- im Wasser und ihr letzter Gedanke war noch: „Was passiert jetzt? Werde ich sterben?“