Because I love you
ihre Hand floss. Bei den Gedanken an all die Erlebnisse die sie mit Chris gehabt hatte, trieb die Verzweiflung und der Schmerz sie soweit, ihrem Leiden nun selbst ein Ende zu bereiten. Ihre salzigen Tränen tropften in die Wunden ihrer Hand und der brennende Schmerz vervielfachte sich, doch kam er immer noch nicht annährend an den Schmerz den sie tief in sich trug.
Gerade als das scharfe Messer begann sich ins Fleisch zu schneiden ertönte eine klare und helle Stimme, die freundlich bat:
„Tu es bitte nicht Tyla.“
Erschrocken sah das ängstliche Mädchen hoch, doch kein Mensch sondern ein strahlendes Licht erschien vor ihr. Ihr Herz raste und Tyla hatte das Gefühl als würde es sogleich aus ihrer Brust springen. Das Licht war so strahlendhell das ihr nichts anderes überblieb als ihre Augen fest zuschließen. Es war wie ein Zwang, denn selbst als sie die Augen wieder öffnen wollte, konnte sie es nicht. Das Licht lies nach und nun erst war es ihr Möglich die Augen wieder zuöffnen, was jedoch überaus vorsichtig geschah. Ungläubig blinzelten ihre blauen, wässrigen Augen ins langsam verschwindende Licht. Doch erschreckender Weise musste sie feststellen das sie nicht mehr in dem kleinen Wald saß. Hecktisch schaute sie umher, aber um sie herum war alles weiß, strahlend weiß und rein. Weiße Leere.
Schwer atmend rang sie nach Luft, denn der Schock wurde noch größer als sie feststellte, dass sie schwebte, mitten im Raum. Prüfend sah sie an sich herab, ihr Knöchel war völlig verheilt, auch ihre Lippe und die Hand bluteten nicht länger, woraufhin ihr nur ein Schluss blieb, den sie leise und geschockt heraus stammelte.
„Ich…, ich – bin – Tod.“
„Nein bist du nicht. Keine Angst, du wolltest nicht sterben und du solltest nicht sterben! Deshalb musste ich dich retten, da deine Zeit noch nicht abgelaufen ist, im Gegensatz zu der von Chris.“, ertönte die gleiche, unbekannte, warme und herzliche Stimme.
„Was soll das hier alles? Ich versteh gar nichts mehr, was soll ich hier? Wo, bin ich hier? Und wo sind sie?“, rief Tyla weinend ins Nichts.
„Ich bin überall und du bist nirgendwo.“
„Was?“
„Glaub mir kleine Tyla, du wirst verstehen, wenn es Zeit ist zu verstehen. Aber vorerst geht es um etwas anderes.“
„Ich – ich weis nicht was sie meinen. Tut mir leid.“
„Dir muss nichts leid tun. Hör zu du meintest, du würdest alles für ihn tun, für einen Moment der Nähe und nun gebe ich dir die Chance etwas zu tun.“
Tyla schwieg und starrte in die weiße Leere. Immer noch liefen ihr die Tränen übers Gesicht, das Einzige wozu sie überhaupt fähig war.
„Ich gebe dir die Möglichkeit das Geschehene rückgängig zu machen. Weißt du, der Tod lässt sich nicht gerne um seine Arbeit bringen, deshalb müssen bestimmte Vorschriften gewahrt werden. Ich drehe die Zeit zurück, bis hin zum ersten Tag der Sommerferien. Du wirst dich jedoch an alles erinnern können, sonst hättest du ja keine Chance deinen Geliebten zuretten.“
„Wie…?“, Tyla glaubte nicht was man ihr erzählte. Es war alles so absurd und unreal. Auch wenn sie schon immer an Gott glaubte, übertraf dies ihr Vorstellungsvermögen.
„Nein stell bitte keine Fragen! Hör einfach nur zu! Denn das ist noch nicht alles gewesen. Du wirst nicht als Mensch zurückkehren können, sonst wäre es viel zu leicht. Du wirst die Gestalt eines anderen Wesens annehmen und als dieses ist es dann deine Aufgabe den Jungen zuretten. Solltest du versagen stirbt er natürlich, aber auch du wirst bestraft. Für hundert Jahre musst du dein Dasein auf Erden fristen und das in der Gestalt, in der du zurückgeschickt wurdest. Erst nach Ablauf der hundert Jahre wird es dir erlaubt sein in Frieden zu ruhen. Du musst dich also entscheiden! Willst du womöglich alles aufgeben, für die kleine Hoffnung doch noch ein Leben mit ihm zu führen?“
„Aber warum?“
„Weil ich nicht zulassen kann, das du dich selber tötest. Eines Tages kommt der Moment in dem ich dich brauchen werde und deshalb darfst du heute nicht sterben und schon gar nicht so!“
Die Stimme hallte noch nach, doch dann wurde es Totenstill. Tyla holte tief Luft. Sie wiederholte in Gedanken, die letzten Worte. All das kam ihr vor wie ein Traum, ein Traum in den sie sich aus der Wirklichkeit flüchtete.
„Sagst du mir nun deine Entscheidung?“, setzte die freundliche Stimme nach.
„Ja…, ich – ich mache es. Ich würde alles tun um ihn zuretten. Einfach alles. Ich gehe jedes Risiko ein, denn es kann gar nicht schlimmer sein als jetzt!“
„Nun denn, dann erfülle ich dir diesen Wunsch.“
Verängstigt nickte Tyla und schaute sich besorgt um. Sie erwartete, dass nun irgendetwas geschehen würde, doch dem war nicht so. Entsetzt drehte sie sich herum und ihre Atmung wurde wieder schneller und auch die Tränen flossen wieder. Gerade als die Angst wieder die Oberhand gewann und sie nach der unbekannten Stimme rufen wollte, erstrahlte das gleiche, weiße, strahlende Licht. Es brannte in Tylas Augen, aber erfüllte sie Gleichzeitig mit einer bekannten Wärme und Zufriedenheit, in der sie sich verlor. Plötzlich wurde alles schwarz um sie herum und jegliches Gefühl verschwand.
Der leuchtende Sternenhimmel hatte sich übers Land gezogen und hüllte alles in Dunkelheit. Ein kühler Lufthauch lies die schlafende Tyla erschaudern. Ihre Muskeln zogen sich zusammen und so allmählich begann sie zu erwachen. Ihre Augenlieder flackerten bereits ein wenig, doch wirklich wach war sie noch nicht. Genüsslich drehte und rekelte sie sich umehr, bis sie unliebsam feststellen musste, dass sie sich auf dem kalten Waldboden befand. Erschrocken riss sie ihre Augen auf und schaute entsetzt in die Dunkelheit, wobei sich ihre Augen nur langsam an die herrschenden Lichtverhältnisse gewöhnten.