Because I love you

Menschen ersetzen oder?
Als Chris sein Brötchen fast vollständig aufgegessen hatte, wusste Tyla das sie nun etwas tun müsste, wollte sie heute noch etwas zwischen die Zähne bekommen. Energisch stieß sie mit ihrem Kopf gegen sein Bein und erwartete anschließend eine Reaktion, doch nichts geschah. Erschrocken, da das Stück Brötchen immer kleiner wurde, lief sie mit Anlauf gegen sein Bein. Etwas zu heftig wie es schien, denn sie prallte an ihm ab und rutschte über die glatten Fliesen zurück, gegen einen der Küchenschränke. Aber es hatte sich gelohnt, Chris war zusammen geschreckt als hätte er gerade tief und fest geschlafen. Er schaute an seinem Bein herunter, doch da war nichts. Erst als er langsam seinen Blick in Richtung Schrank wandern ließ, sah er den kleinen taumelnden Hund, der versuchte zurück an den Tisch zu kommen.
„Du bist echt zu drollig. Willst wohl was ab haben, nicht? Na schön hier hast du was.“, meinte er liebevoll und warf Tyla den Rest seines Brötchens zu.
Etwas skeptisch beobachtete sie das angebissene Brötchen, doch nach den winzigen Momenten des Überlegens stürzte sie sich wie ein blutrünstiges Raubtier darauf. Nach dem sie es verspeist hatte und ihr Magen sein Knurren vorerst eingestellt hatte, dachte sie missgelaunt:
„Wie gut nur, dass ich in so einem kleinen Körper stecke. Da ist der Magen ja auch nicht so groß, ansonsten würde ich in den sechs Wochen wohl verhungern!“

Tyla, die schon wieder dabei war sich ihren kleinen, süßen Kopf darüber zu zerbrechen was es nun zutun galt, beschloss Chris vorerst nicht mehr von der Seite zu weichen. Sie wusste auch sonst gar nicht so richtig, was sie stattdessen machen könnte.
Nachdem Chris die Küche aufgeräumt hatte, begab er sich wieder in sein Zimmer. Er holte ein Capy, ein großes Badehandtuch, wie Sonnenmilch und eine Sonnenbrille. Tyla schwante bereits böses, als sie das Treiben genaustens beobachtete, denn alles sah nach Baden bzw. Sonnenbaden aus. Vorerst ohne sich selbst wieder Panik zumachen, schlenderte sie ihm nach. Aber sie sollte recht behalten, denn Chris ging direkt zu seinem Rad und verschaute in dessen Korb seine Sachen. Tyla die mittlerweile das ewige hinterher Gerenne satt hatte, blieb neben dem Fahrrad sitzen, während Chris wieder ins Haus eilte. Er schloss die Terrassentür und kam durch die Haustür wieder raus. Während er auf das Fahrrad zu ging band er sich das Schlüsselband um den Hals. Erst als er ihr näher kam viel Tyla die Leine über seiner Schulter auf, an der auch noch ein Halsband hing. Beides war aus blauen, geflochtenen Nylon gemacht. Tyla schnaufte, denn sie wusste was jetzt kam, kilometerweites Rennen neben einem Fahrrad. Wie schon erwartet legte Chris ihr Halsband und Leine an, doch plötzlich griff er sie, hob sie hoch und setzte sie zu seinen Sachen in den Korb. Verwundert und fragend blinzelte sie ihn an, woraufhin er regelrecht erklärend meinte:
„Wir beide fahren jetzt an den See, schliesslich soll es heute doch wieder warm werden.“
Innerlich musste Tyla laut lachen und freudig, doch auch spottend, dachte sie:
„Wie naiv, als ob der Wetterbericht stimmen würde.“
Aber als sie dann über diese Naivität hinaus sah und sich in seinen tiefen, traurigen, blauen Augen versinken sah, verstummte das Lachen.
„Irgendwie tut er mir leid, er macht so einen verlorenen und einsamen Eindruck. So als hätte er etwas wichtiges verloren…, so…, so wie ich als er…, ach nein, so ein Schwachsinn, das hat sicher nichts mit mir zu tun!“
Gekränkt von ihren eigenen Gedanken, mummelte sie sich fest ins Badehandtuch und versuchte die vorbeiziehende Landschaft zu genießen, denn Chris war bereits losgefahren.
Eine knappe viertel Stunde später kamen sie am, Tyla bekannten, Badesse an, doch außer ihnen war niemand dort. Nach kurzem umschauen stieg Chris von seinem Rad und hob Tyla heraus.
„Wir beide machen es uns jetzt schön gemütlich. Na los lauf schon.“
Mit einem kurzen Klaps auf den Hintern schickte er das Hündchen los, dann nahm er sein Fahrrad und schob hinter der vorlaufenden Tyla her.
Da Tyla schon oft hier gewesen war, hatte sie natürlich auch ihren persönlichen Lieblingsplatz den sie sogleich aufsuchte. Es war eine kleine Einmündung des ovalen Sees, der inmitten eines kleinen Waldes lag. Es gab nur eine breite Strandseite, auf der sich die meisten Leute tummelten, sobald es warm wurde, doch der Rest des Sees war unzugänglich durch steile Sandwände. Die Ausnahme machte eine einzige Stelle, schön im Schatten der hohen Bäume gelegen, jedoch schwer zugänglich da man sich erst durch allerlei Büsche und Dickicht kämpfen musste. Doch der Aufwand war es Wert, denn zum einen war man ungestört und hatte eine Menge Platz zum planschen, sonnen und schwimmen, aber auch die Aussicht die man genießen konnte war einfach traumhaft. Die Sonne ließ das klare Wasser wie einen Diamanten glänzen und bei Nacht tauchte der Mond alles in strahlendes Silber.
Voller Vorfreude lief sie den breiten Waldweg entlang, einmal herum um den See, um zur gewünschten Stelle zukommen. Mit Feuer in den Augen kämpfte sie sich durchs Gestrüpp und ereichte endlich das seichte Ufer des Sees. Da hatte Chris es schon etwas schwieriger mit seinem Fahrrad und einer Größe von 1.80 m, aber auch er schaffte es und freudestrahlend sah er die kleine Hündin an, der er glücklich zu flüstertet:
„Seltsam, dass du dir gerade diesen Ort ausgesucht hast. Weist du, dies ist der Lieblingsplatz einer sehr guten Freundin von mir. Hier haben wir einige Sommer verbracht.“
Er strich ihr sacht über den Kopf, knetete liebevoll ihre Öhrchen. Nach genügend Liebeleien, ließ er Tyla in Ruhe und holte seine Badesachen vom Fahrrad. Während er damit beschäftigt war sich auszubreiten, legte sich Tyla in den warmen Sand, lies sich die Sonne auf den Pelz scheinen und machte sich schmunzelnd ihre Gedanken:
„Ja was für ein Zufall, dass ich gerade diesen Ort gefunden habe. Den Lieblingsplatz einer sehr guten Freundin also. Hmm, das steht ja auch in dem Baum da drüben. Ach wie lang ist das jetzt her, das wir das einritzten? Müssten mittlerweile schon fast 7 Jahre sein. Was für eine lange Zeit, 7 Jahre… in denen ich mich nie getraut habe ihm zusagen was ich wirklich für ihn empfinde. Aber mal ehrlich, was bin ich überhaupt für eine Freundin, die nicht einmal bemerkt wie einsam, verlassen und traurig ihr bester Kumpel in Wahrheit ist. Ich bin echt so blöd, ich bilde mir die ganze Zeit ein ihn zu kennen, aber das ist totaler Schwachsinn. Ich weis doch eigentlich gar nichts über ihn. Aber trotzdem lässt mein Herz nicht mehr von ihm ab, das ist doch nicht normal oder? Ach ich weis es einfach nicht, das ist alles so verwirrend und verletzend. Ich dachte ich wäre Glücklich, wenn ich bei ihm seien könnte, doch momentan macht es mich nur traurig, vor allem wenn ich in seine Augen sehen muss! Ha, welch eine Ironie…, sonst bekam ich nie genug von diesen strahlenden, von Glück erfüllten Augen. Wenn ich doch nur wüsste was mit ihm los ist, vielleicht könnt ich ihm helfen…, irgendwie?“
„Hey Sira, komm mal her Kleine! Ich hab was für dich.“, mit diesem Ruf riss Chris Tyla aus ihren Gedanken. Etwas verhalten richtete sie sich auf und schlenderte hinüber zu ihrem Herrchen, der ein großes, gut belegtes Sandwich in Händen hielt. Wie nicht anders zu erwarten, warf er es ihr zu und fast schon professionell fing sie es auf. Innerhalb von Sekunden war es verschlungen. Genüsslich leckte sie sich die Krümel vom Bart und setzte sich direkt neben Chris, der schlummernd auf seinem Handtuch lag. Seine Jeanshose, wie sein Hemd hingen über dem Fahrrad, nur seine Badehose hatte er anbehalten. Da sie von ihm ab sah traf Tylas schlendernder Blick plötzlich den Baum an den sie kurz zuvor noch gedacht hatte. Es war eine große Eiche, in dessen Rinde etwas eingeritzt war, zwei Namen unter denen ein Schwur auf die ewige Freundschaft niedergeschrieben wurde. Tyla wurde es wieder ganz mulmig im Bauch als sie ihren und Chris alten Schwur vor sich sah. Einerseits freute sie sich übermäßig, schon allein über die Tatsache nochmals neben ihrem besten Freund sitzen zu dürfen, doch die Ängste in ihrem Innersten waren immer noch stärker, besonders das Warten setzte ihr zu. In der nächsten Zeit blieb ihr nichts anderes über als in Chris Nähe zu bleiben und sich die Zeit mit Gedanken zu vertreiben und das waren meist keine schönen Gedanken. Alles hatte sich geändert und würde sich verändern, nichts würde wieder so sein wie es war. Leider war dies das Einzige in dem sich Tyla sicher war. Die Furcht, davor die Freundschaft zwischen ihnen zu zerstören, saß zu tief als das sie jemals ihre Gefühle preisgeben könnte. Womit sie bereits wieder dabei war sich in eine Flutwelle von Schreckensvorstellungen zuwerfen.
„Was soll ich bloß tun? Wen ich mir vorstelle ich versage, dann dreht sich mir der Magen um. Es würde alles wieder so sein wie zuvor, mein Herz zersprenge in Tausende von Scherben und die Erinnerungen an die schöne Zeit würde mich foltern und quälen, wie nichts anderes auf Erden dazu in der Lage wäre. Jedoch am schlimmsten ist der Gedanke daran, ihm nie gesagt zuhaben wie sehr ich ihn Liebe und auch diesmal kann ich es ihm vorher nicht sagen. Meine einzige Chance ihm endlich meine wahren Gefühle zeigen zu können, besteht darin ihn zuretten und all das was ich bis jetzt besaß und schätzte aufs Spiel zusetzen. Ich könnte mein bisheriges Leben, so wie ich es gewohnt war verlieren, aber sei ich doch einmal ehrlich zu mir selbst, hab ich das nicht schon längst? Ich find einfach keine Antworten auf meine Fragen. Ich kann lediglich hier sitzen und warten, warten und nochmals warten, voller Hoffnung, dass sich vielleicht doch alles zum Guten wendet, denn aufgeben werde ich auf keinen Fall, niemals…, denn das wäre das schlimmste überhaupt!“

Gemeinsam lagen