Herzblut trinkt man nicht
„Warum muss es da drin auch so eng sein?“ schimpft Aimi vor sich hin. „Du überreagierst …“ Das wollte Kai schon immer mal zu Aimi sagen. Böse sah sie ihn an, weil er genauso gut wusste wie sie und Neyo auch, dass sie nicht überreagierte.
Als sie noch klein war, gerade mal fünf, hatte sie ihr Onkel, zur Strafe, dass sie frech war in einen winzigen Keller gesperrt. Aimi war fast durchgedreht. Seitdem, betritt sie keine engen Räume mehr.
Eigentlich tat sie Kai leid, aber das würde er ihr nie sagen, weil sie das nun mal nicht hören wollte.
„Wollen wir nun endlich gehen?“ fragte Neyo etwas genervt, aber so klang er fast immer. Kai und Aimi nickten. Aimi erhob sich und sie liefen dorthin, wo der Beschreibung nach, die schriftliche Prüfung stattfinden sollte. „Man ist es hier schön.“ Schwärmte Aimi immer wieder mal.
Neyo nickte immer nur. Und Kai … der interessierte sich nur für eins: Die Mädchen, an denen sie vorbei liefen. Irgendwann wurde es Aimi dann doch zu viel und sie verpasste ihm eine Kopfnuss. „Kannst du nicht mal fünf Minuten an was anderes denken, BITTE?“
Beleidigt rieb Kai sich den Kopf. „Jaja …“ antwortete er und ging weiter.
Im Gehen entdeckte er das blonde Mädchen von vorhin, das er nach dem Weg gefragt hatte. Er winkte ihr. Sie wurde rot und winkte zurück. Einer ihrer Kameraden sagte etwas zu ihr, aber sie hörte ihn nicht, bis er anfing sie an den Schultern zu rüttelt. Sie schrie ihn an, aber als sie sich umdrehte, war Kai weg,
Der lief, immer noch neben Neyo, in Richtung schriftliche Prüfung.
„Was war denn mit der? Kennt die dich Kai?“ fragte Aimi und glaubte selbst nicht daran, weil sie ja gerade angekommen waren. „Jap …“
Verblüfft blieb Aimi stehen. „Ich hab sie nach dem Weg gefragt.“ Ami seufzte. „Aber den kennst du doch.“ Kai zuckte mit den Schultern.
Aimi seufzte noch einmal und ging weiter. Sie standen vor dem Prüfungsgebäude und ein junger Mann erklärte ihnen, dass die Prüfung erst morgen stattfand.
„Gut.“ Meinte Kai und lächelte. Eigentlich wussten Neyo und Aimi beide, was Kai vorhatte, aber sie nahmen es schon gar nicht mehr wahr.
Kai lief voran und Aimi und Neyo trottete ihm hinterher, um in einem Gasthaus zu übernachten. Aimi schüttelte den Kopf. „Neyo? Denkst du was ich denke?“ Neyo nickte. „Ich glaube schon. Dass Kai in den nächsten fünf Minuten loszieht und drei Mädchen auf einmal aufgabelt?“ Aimi nickte.
Bei diesem Thema waren die beiden wirklich immer derselben Meinung. Und sie hatten auch meistens Recht. Kaum hatten sie sich ein Zimmer für die Nacht reserviert, beschloss Kai wegzugehen.
Kurzatmig verabschiedete er sich und ging.
Als Erstes erblickte Kai, das Mädchen, das er in der Einganshalle umgestoßen hatte.
Er winkte und ging zu ihr hin. „Hallo.“ Sie sah zu Boden und grüße ebenfalls. „Na? Was machst du hier noch?“ fragte Kai und lächelte dabei.
„Nichts, ich hole jemanden ab … Wir haben noch Training, weißt du …“ sagte sie unsicher. Kai versuchte sich an ihren Namen zu erinnern. „Sag mal, hast du mir deinen Namen gesagt?“ Sie schüttelte den Kopf. „Ich bin Tenten!“ Sagte sie und hielt ihm eine hand hin. „Das habe ich schon mal gesagt, aber ich bin Kai. Freut mich dich kennen zu lernen.“ Sie lächelte. Er ergriff ihre Hand und schüttelte sie.
In dem Moment kam der langhaarige Junge aus einem Haus.
„Da bist du ja, Neji!“ rief Tenten. „Du kommst aber auch immer zu spät…“ Er schüttelte den Kopf. „Stimmt nicht.“ Tenten lächelte unsicher.
„Das ist Neji ... und das ist Kai …“ Stellte sie die beiden vor. Kai grüßte knapp, was man als unhöflich hätte verstehen können. Dann verabschiedete sich Tenten und die beiden eilten davon.
Kai zuckte die Schultern, dieser Neji hatte ihn irgendwie prüfend gemustert, das regte Kai auf. Der Blick sagte soviel aus wie: Lass meine Schwester bloß in Ruhe!! Obwohl Kai stark bezweifelte, dass Tenten seine Schwester war.
Langsam schlenderte er weiter.
Es waren sehr viele Leute auf den Straßen. Irgendetwas Besonderes musste heute sein. Sonst würde man sich nicht so amüsieren. Kai entdeckte ein rosahaariges Mädchen, und erkannte sie, als die, die er absichtlich angerempelt hatte.
Neben ihr gingen ihre Kameraden und ein Mann, den Kai eindeutig, als den Sensei identifizierte. Aimi, Neyo und Kai trainierten seit vier Jahren ohne Sensei, weil der vier Jahre zuvor, bei einer gefährlichen Mission, Kai das Leben gerettet hatte, dafür aber sein eigenes lassen musste.
Kai hing an dieser schmerzhaften Erinnerung, wie an einer langwierigen Narbe. Er konnte es nicht vergessen. Er schüttelte den Gedanken ab und ging fast unmerklich näher heran.
„Hallo.“ Grüßte er und die drei Shinobi drehten sich um.
„Was wird denn hier gefeiert?“ fragte Kai und der Blonde antwortete ihm. „Anfang des Chunin Examens. Ich bin übrigens Naruto.“ Meinte er und grinste.
„Ich bin Kai.“ Er lächelte das Mädchen an.
„Das sind Sakura, Sasuke und Sensei Kakashi …“ stellte Naruto vor. Bei dem Wort ‚Sensei’, zog sich in Kais Bauch so ziemlich alles zusammen.
„Schön.“ Meinte Kai und ging ein Stück mit ihnen. Dabei bemerkte er, wie Sakura den Jungen, den Naruto als Sasuke vorgestellt hatte, anschmachtete. Doch jedes Mal ließ er sie abblitzen.
Kai lachte sich ins Fäustchen. So würde sie es nie schaffen.
„Was denn?“ fragte Naruto, der ihn lachen gesehen hatte. Kai zeigte auf Sakura, die gerade einen neuen Flirtversuch startete. Naruto sah ihn verständnislos an.
„Sakura?“ sprach Kai sie an. Sie drehte sich um. „Ja?“ Er lächelte „Darf ich dich was fragen?“ Sie nickte. Er beugte sich vor und flüsterte ihr ins Ohr. „Was findest du an dem …? Du hast was Besseres verdient.“ Er richtete sich auf und lächelte sie an.
Sie wurde augenblicklich rot. „Ich muss gehen.“ Verabschiedete sich Kai, der gerade einen Blick auf die Uhr geworfen hatte. Es war schon kurz vor Mitternacht, wenn Aimi noch wach war, würde sie ihn umbringen. Aber er hatte Glück, sie schlief. Er setzte sich ins Bett und dachte nach.
Neyo war noch wach, das spürte Kai.
„Woran denkst du?“ fragte Neyo plötzlich. „Sensei Haroio…“ gab Kai zu. Er hörte Neyo seufzen. „Hör auf damit, dafür kannst du nichts und das weißt du.“ Versuchte Neyo ihn zu beruhigen. Kai schüttelte den Kopf. „Doch, ich bin mir sicher … irgendwie hätte ich es verhindern können…“ seufzte Kai und rollte sich im Bett ein. „Ich sag’s dir nur noch einmal.“ Warnte Neyo.
„Vergiss es endlich!“ er sagte es so laut, dass Kai zu Aimi rüber sah, ob sie nicht aufgewacht war. Kai nickte.
Neyo sah es, obwohl es so dunkel war.
Im Allgemeinen war der Oniki Clan, dem Neyo angehörte, nachtaktiv.
Aber Neyo hatte sich das, Kai und Aimi zu Liebe abgewöhnt.
„Schlaf!“ befahl Neyo und Kai schloss die Augen, aber schlafen konnte er deshalb noch lange nicht. Immer wieder geisterten schreckliche Bilder von dem einen Kampf in seinem Kopf rum.
Bis er endlich schlafen konnte vergingen Stunden.
Als er dann einschlief quälte ihn ein Albtraum, aber Kai kannte ihn schon.
Langsam ging er über einen Friedhof, warum wusste er selbst nicht. Und klarer wurde es mit jedem Mal nicht gerade.
Nur noch verwirrter machte es ihn.
Er ging, bis er fand, was er suchte. Das Grab seines Sensei. „Haroio.“ Flüsterte er leise.
Er verharrte in Gebete versunken eine Weile am Grab, dann drehte er sich um und wollte gehen. Noch bevor Kai den ersten Schritt gemacht hatte, spürte er eine schwere Hand auf der Schulter.
Langsam drehte er sich um.
Das eingefallene, verweste Gesicht seines Meisters starrte ihm entgegen. Beim ersten Mal hatte Kai geschrien, doch diesmal sah er einfach ausdruckslos und traurig zurück.
Mit schriller Stimme gab die Leiche Kai die Schuld an seinem Tod. Kreischend und alarmierend klang er, doch Kai ignorierte ihn völlig.
Leicht rüttelte Neyo an seiner Schulter. Verschlafen, aber doch hellwach schlug Kai die Augen auf.
„Prüfung.“ Erinnerte Neyo ihn. Kai stand auf und sie machten sich fertig.
Als sie am Eingang des Prüfungsgebäudes standen, war es ziemlich voll. Nicht so voll wie gestern in der Akademie, aber Neyo verbrachte trotzdem viel Zeit damit, Aimi zu überreden mitzugehen.
Irgendwann hatten sie es endlich geschafft und man hatte sie gebeten an länglichen Tischen Platzt zu nehmen und auf ihren Prüfer zu warten.
Neyo wurde neben einem gruseligen Typen mit dem starrsten Blick der Welt gesetzt, Aimi durfte neben Naruto Platzt nehmen und Kai saß neben einem dunkelhaarigen Mädchen. Genau wie bei Neji gestern, konnte Kai bei ihr die Weißaugen entdecken. Also war für ihn klar, dass die beiden zum Hyuuga Clan gehören mussten.
Nur passte dieses Mädchen so ganz und gar nicht ins Regiment der Hyuuga … Die für so stolz und temperamentvoll gehalten wurden.
Sie war eher schüchtern und sah Kai nur einmal richtig an. Ansonsten starrte sie auf ihren Tisch.