Fanfic: The Path
auch dazu!“
Mariah scheuchte sie schleunigst aus der Küche und hörte noch, wie ihre beste Freundin die Treppen geradezu hochsprang und dann in ihr Zimmer stürmte.
Oben angekommen riss Leylan ihren Koffer auf und zog einen schwarzen Sportshorts mit drei seitlichen weißen Streifen sowie ein weißes T-Shirt hervor. In Windeseile zog sie sich um, schnürte dann ihre Sportschuhe und band sich die langen Haare zu einem hohen Zopf.
Als sie wieder raus auf den Flur stürmte blieb sie abrupt stehen- sie hatte keine Ahnung welchen Park Kai gemeint haben könnte. Tala, Ray und Tyson waren schon längst auf dem Weg, also blieb nur Mariah. Leylan wollte gerade die Treppe hinunter stürmen, als sie Mariah auf dem untersten Treppenabsatz stehen sah. Grinsend sagte diese: „Na brauchst du Hilfe? Geh einfach den Flur bis zum Ende entlang, öffne dann die rechte Tür und geh auf den Balkon. Von dort aus führt eine Treppe nach unten. Wenn du unten bist, lauf durch den Garten und dann ganz links steht ein kleines, schmiedeeisernes Tor. Da durch und den Waldweg entlang und du kommst an der Rückseite des Parks raus. Dort müssten deine Kollegen eigentlich noch stehen.“
„Mariah, ich liebe dich!“, rief Leylan und flitzte los.
„Mal ernsthaft- wer tut das nicht?“, flötete Mariah vor sich hin und strich dann lächelnd über ihren runden Bauch.
~
„Wo ist sie?“, fragte Kai an Tala, Ray und Tyson gewandt. Er hatte die Brauen zusammengezogen und stand mit verschränkten Armen vor seinen Teamkollegen. Die zuckten die Achseln und Tyson blickte sich wiederholt um. „Wo bleibt sie nur?“, dachte er nervös. Tala ging ein paar Schritte auf seinen besten Freund zu und sagte: „Entspann dich Kai, es ist ihr erster Tag, gib ihr ein wenig Zeit sich einzugewöhnen.“
Tala blickte Kai aus seinen eisblauen in dessen karmesinrote Augen, der harte Ausdruck in ihnen erweckte den Eindruck von gefrorener Lava. Kai machte seinerseits ein paar Schritte auf den rothaarigen Russen zu und fauchte: „Falls du es vergessen haben solltest: Leylan ist ein Profi, sie braucht keine Zeit sich einzugewöhnen. Was sie braucht sind Regeln und wie du siehst, kann sie damit offensichtlich schlecht umgehen.“
Er hatte die Arme so fest in einander verschränkt, dass die Muskeln deutlich hervortraten und er keine Ähnlichkeit mehr mit dem schmächtigen Jungen hatte, den Tala vor einer gefühlten Ewigkeit im hohen Norden Russlands kennen lernte.
„Kai, komm schon...“, setzte Tala an. Der Blick, mit welchem Kai ihn daraufhin bedachte glich einem Peitschenhieb und erinnerte ihn daran, wie gefährlich sein Freund immer noch war.
„Sei still, Tala.“ Kai hatte die Stimme nicht erhoben, doch seine Worte blieben niemals unvernommen. Wütend schnaubend drehte Tala sich um und reihte sich zwischen Tyson und Ray ein.
„Du hattest Recht Ty, er IST noch kälter und unbarmherziger als sonst.“, murmelte Ray und Tyson nickte zufrieden. Tala jedoch stand weiterhin hinter dem Anführer der Bladebreakers, seine endlose Geduld ließ ihn immer wieder über solch rüde Behandlung hinwegsehen.
Leylan erblickte die 4 Männer schon von weitem und beschleunigte. Nur wenige Zentimeter vor ihnen, kam sie schlitternd zum Stehen und stützte sich nach Atmen ringend auf ihre Knie.
„Du bist zu spät.“
Kais eisige Stimme drang an ihr Ohr und sie richtete sich langsam wieder auf, ihre dunklen Augen fixierten die Seinen und streiften kurz die hervortretenden Muskeln seiner Oberarme.
„Es tut mir Leid, ich habe nicht aufgepasst und die Zeit vergessen. Es wird nicht wieder vorkommen.“, entschuldigte sie sich förmlich und deutete eine kurze Verbeugung an. Kai ließ sich seine Überraschung nicht anmerken, er hob lediglich eine Augenbraue und sah Leylan von oben herab an.
„Das will ich für dich hoffen. Du wirst später 5 extra Runden laufen.“, und an die alle gewandt: „Los jetzt, bevor es hier nur so von Leuten wimmelt.“
Die Fünf setzten sich in Bewegung und Tyson murmelte: „Zufälligerweise sind nicht alle so verrückt und joggen morgens um halb 10 durch den Park.“
„Tyson, drei extra Runden!“
Während Tala und Ray nur schwer ein Grinsen unterdrücken konnten, fluchte Tyson leise vor sich hin, dass hätte er sich ja denken können. Leylans Gedanken schweifen ohne ihr Zutun kontinuierlich ab, der rhythmische Klang ihrer Schritte machte sie schläfrig. Wie mechanisch setzte sie einen Fuß vor den anderen, merkte aber schnell, dass sie keineswegs in Bestform war. Nach der 7. Umrundung des inneren Parkareals spürte sie, wie ihr Atem flacher wurde und ihre Lungen zu schmerzen begannen. Jeder Schritt wurde zu einer Anstrengung, doch ihre Abneigung zu versagen trieb sie vorwärts.
>Vielleicht haben mir die 2 ½ Jahre auf der Straße härter zugesetzt als ich geglaubt hatte...<, dachte Leylan und wischte sich den Schweiß von der Stirn.
Zwei Schritte vor ihr joggte Tala konzentriert vor sich hin, den Blick starr auf den Boden gerichtet und die Arme fest am Körper. Sie hob den Blick und konnte in einigen Metern Abstand Ray und Kai ausmachen, die schweigend und scheinbar mühelos neben einander her liefen.
Nur Tyson drehte voll auf und bildete die Spitze des Trupps. Der Blick der jungen Frau glitt zurück zu Ray und Kai und blieb schließlich an dem reservierten Halbrussen hängen. Mit den Augen fuhr sie seine Sporthose entlang, die um seine langen Beine ein wenig schlackerte und ihm so genügend Bewegungsfreiheit bot, folgte dem Verlauf seiner Hüfte bis hin zu seinen muskulösen Schultern. Das tiefblaues Sport T-Shirt schmiegte sich eng an seinen Oberkörper und passte sich jeder seiner Bewegungen an. Leylan war so vertieft darin Kai zu beobachten, dass ihr der Umstand selbst beobachtet zu werden, nicht auffiel.
Als das Team zum achten Mal ihren Startpunkt erreichte hob Kai die Hand und bedeutete ihnen so, stehen zu bleiben.
„Tyson, komm her.“, rief er dem übereifrigen blauhaarigen Blader zu und seine Stimme hallte metallisch in Leylans Ohren. Augenblicklich drehte dieser ab und rannte seinen Freunden entgegen. Kai stellte sich vor seine Teammitglieder und besah jeden mit einem prüfenden Blick. Leylan bildete das Schlusslicht der Reihe und war ernsthaft bemüht sich ihre Erschöpfung nicht anmerken zu lassen. Mit zusammengebissenen Zähnen versuchte sie ihre Atmung zu kontrollieren und die Zuckungen ihrer Beinmuskeln zu unterbinden. Kais durchdringender Blick glitt von Ray zu ihr und er hob minimal die linke Braue.
„Keine Extrarunden mehr für Leylan- Tyson, du läufst deine drei und dann ab zum Trainingsplatz.“
Folgsam lief Tyson los und Kai setzte zum Rückweg an. Leylan sah ihm mit offenem Mund hinterher, klappte ihn zu und rief: „Was soll das Leader? Seit wann gewährst du Nachsicht? Ich sollte zur Strafe fünf Runden laufen, also tu ich es auch.“
Leylan hatte sich zu ihrer vollen Größe aufgerichtet und fixierte den sich umdrehenden Kai. Dieser war nicht der einzige mit einer befehlenden und unüberhörbaren Stimme, selbst ohne laut zu werden. Tala und Ray blieben stehen, drehten sich jedoch nicht um.
„Nachsicht? Ich würde es eher Gnade nennen. Es ist offensichtlich, dass du nicht in der Form für ein solch anstrengendes Training bist, außerdem musst du noch genug Energie aufbringen können für unsere anschließenden Übungskämpfe. Weiter zu laufen wäre schlichtweg lächerlich, Leylan.“
Seine Antwort hörte sich nicht minder genervt und kalt an, doch er sah die Schwarzhaarige Frau nicht an sondern fixierte einen beliebigen Punkt auf dem Boden. Leylan war bei dem Klang ihres Namen kaum merklich zusammengezuckt, fing sich dennoch wieder und antwortete: „Lächerlich? Ich bitte um Erlaubnis fünf weitere Runden zu laufen.“
Ihre förmliche Bitte ließ Kai aufblicken und für einen kurzen Moment sah er sich wieder in die Situation ihrer ersten Begegnung versetzt: Sie mit entschlossenem Blick und einem ernsten Zug um den Mund, das lange schwarze Haar welches sanft ihre Hüfte umspielte, und er, der in ihr eine ernsthafte Konkurrenz erkannte. Sie war unverbesserlich, eine Einzelkämpferin die lieber zusammenbrechen würde, als eine Niederlage hinzunehmen.
„Erlaubnis erteilt.“
Mit diesen Worten drehte er sich um und schlug den Weg zum Haus ein, gefolgt seinen zwei schweigenden Teamkollegen.