Fanfic: The Path

erneut auf die schwarzhaarige, deutlich angespannte, junge Frau.

„Willst du jetzt darüber reden oder später?“
Seine Frage war in dem Sinne eigentlich keine wirkliche Frage, eher eine verhaltene Aufforderung. Seine ausdruckslose Stimme quittierte Leylan ihrerseits mit einem eiskalten Blick aus blitzenden Augen, erbarmte sich schließlich doch zu einer Antwort: „Worüber denn Leader? Mit einem von deinen ´ich- bin- der- Größte- hier- am- Start´- Blicken hast du die ganze Situation doch sicherlich schon im Kern erfassen können, oder?“
Die Ironie feierte in ihrer Stimme eine stürmische Fete.
Kai zog es vor ihre Bemerkung zu ignorieren und sich keineswegs von Gefühlen beeinflussen zu lassen, weshalb er mehr oder weniger kalt zurück gab: „Jeder Vollidiot, ja selbst Eve, hätte erkennen können, dass es dir hier um mehr als bloß um einen Übungskampf ging. Wenn du nicht erklären willst, fein... wie du schon vermutet hast, die Situation ist glasklar und somit bin ich auf deine Erklärung keineswegs angewiesen. Machen wir es kurz und bündig: Ich kann dich unter keinen Umständen für die nächste Weltmeisterschaft oder die Elitary Championship melden, wenn du nicht mit jedem der Teammitglieder im Reinen bist.
Vor allem in den Kämpfen der Elitary Championship wäre das tödlich. Wie auch immer, persönliche Fehden gehören nicht ins Training- damit das unmissverständlich klar ist.“
Seine Worte trafen Leylan wie eine Ohrfeige, so gedemütigt und missverstanden fühlte sie sich.

>Als wäre ich ein blutiger Anfänger...<i, dachte sie grollend und sagte dann laut: „Klar...auch wenn ich dich daran erinnern muss, dass ohne mich kein Turnier laufen wird- du brauchst mich Kai.“
Der intensive Nachklang ihrer Worte ließ eine drückende Stille entstehen. Beinahe unmerklich zog Kai die Luft ein, aber nur beinahe. Leylan nahm die minimale Veränderung in Kais Körpersprache augenblicklich wahr und lächelte in sich hinein. Obwohl ihr zeitgleich die doch stark offensichtliche Zweideutigkeit ihrer Worte bewusst wurde und sie vor Scham am liebsten auf der Stelle tot umgefallen wäre, genoss sie es gleichermaßen Kai für einen Moment die Sprache verschlagen zu haben. Zu weit wollte sie sich dennoch nicht vorwagen und erlöste Kai aus seiner Starre, indem sie mit den Worten ´Ich werde den Start noch weitere 500 Male üben´ an ihm vorbeischritt und auf die Arena zusteuerte, welche dem Haus am nächsten und von den lautstark, mit Ausnahme von Tala, trainierenden Jungs am weitesten entfernt war.

Für einen kurzen Moment wusste er nicht wie er nun darüber denken sollte, war nun wütend oder blieb er sprachlos? Kai entschied sich für das letztere, energiesparend und lautlos. Wie sooft schüttelte er über ihr Verhalten den Kopf und verwünschte sie im nächst folgenden Moment schon wieder. Mit einem kräftigen Ruck ließ er Dranzer auf einen Baum zu schnell und auf dessen schmalen Ästen balancieren. Vollkommenes Gleichgewicht, galt in seinen Augen als äußerst erstrebenswert und wurde von ihm und Dranzer wöchentlich perfektioniert.
Seit die Halbjapanerin zurück gekehrt war, brachte sie seine so vollendungswürdige Perfektion jedoch bedenklich ins Schwanken- da half, so musste der schweigsame Einzelgänger sich bitter eingestehen, selbst kein Training mehr.

In den vergangenen zwei Wochen seit Leylans Ankunft, hatte er versucht seinen Gefühlen tiefer auf den Grund zu gehen, hatte das ´Übel´ bei der Wurzel packen und es gekonnt dezimieren wollen. Soll heißen: Er gab sich alle Mühe die zarten Bande der Verbundenheit zwischen ihm und Leylan erneut zu knüpfen- zu mindest hatte er das vorgehabt. Doch seit einigen Tagen beschlich ihn das seltsame Gefühl, Leylan sehe die Situation wie sie nun einmal ist, aus einem völlig anderen Blickwinkel. Hatte er nach dem Vorfall während des ersten Trainings einen leisen Ruf nach Nähe ihrerseits wahrgenommen, schien sie mittlerweile geradezu ein ´Business- Verhältnis´ anzustreben. Überrascht von der treffenden Komplexität seiner Überlegung, machte sich plötzlich Ärger in ihm breit.
>Während ich versuche mich zu öffnen scheint es fast so, als ziehe sie sich immer weiter zurück, als weiche sie mir bewusst aus um ja keine Nähe entstehen zu lassen...ja, das würde ihre reservierte Haltung und die allzu kumpelhaften Gesten erklären...<

Seine Gedanken fügten sich Stück für Stück zu einem erschreckenden Gesamtbild zusammen und da fiel plötzlich der Groschen, der jedoch zunehmend Ähnlichkeit mit einer Atombombe hatte und so rief er auch nicht minder heftig aus: „Sollen wir etwas Freunde sein?!“

Dranzer geriet angesichts diesem heftigen Emotionsausbruchs, der seinerseits Ähnlichkeit mit dem Vulkanausbruch des Vesuvs hatte, mächtig ins Trudeln und fiel wie eine überreife Birne vom Baum. Kai hatte diese, recht späte, Erkenntnis vollends die Sprache verschlagen, er stand vor dem riesigen Baum mit einem höchst ungläubigen Gesichtsausdruck und fühlte sich wie das Opfer eines heimtückischen Angriffes mit dem Vorschlaghammer.
Dranzer kreiselte im Graß vergessen vor sich hin, wurde selbst dann nicht beachtet, nachdem er in Kais Geist einen kläglichen Schrei ausstieß. Der mächtige Phönix kam sich in diesem Moment auf höchst unschöne Weise verarscht vor und zog es nach etlichen verstrichenen Minuten vor, dieses sinnlose Kreiseln von selbst zu beenden. Mit einem beleidigten PLOP erstarrte der Blade mitten in der Bewegung, was von Kai noch immer unbemerkt blieb. Der sonst so über alle Maßen beherrschte und lässige Spitzenblader hatte seine neu gewonnene Erkenntnis zwar noch nicht vollends verdaut, besaß schließlich doch noch soviel Gehirn um sich nach seinen Teamkollegen umzusehen.

Mit einem geübten Blick ´röntgte´ Kai Tyson, Ray ,Tala und Max, welcher mittlerweile aus den Staaten zurückgekehrt war und sich nun wieder im Team befand, - wenn einer von ihnen seinen ´Ausbruch´ mitbekommen hätte, würde sich dies nur schwer vor ihm verbergen lassen. Heute jedoch, möglicherweise angesichts der bald anstehenden Kämpfe, schien sein Team sich voller Eifer ins Training zu stürzen und gar keinen Gedanken an Ablenkung zu verschwenden. Zufrieden nickte Kai und auch wenn er dies unter allen Umständen hatte vermeiden wollen, war es fast Zwang der seinen Blick zu Leylan schweifen ließ. Die erfolgreiche Bladerin hatte ihm jedoch den Rücken zugewandt und übte tatsächlich ihren Start.
>Sag mal, wollen die mich heut alle verarschen? Da bin ich einmal abgelenkt und mit anderen Dingen beschäftigt und plötzlich steht hier jeder stramm und trainiert wie ein vernünftig denkendes Wesen... ich geb´s auf, mann<, dachte der ernste Halbrusse und nun war es an ihm, sich auf höchst unschöne Weise verarscht vorzukommen