Reaper

weißt du.“
„T-tot? Was?... Nein Moment mal, das kann nicht-....“
Das Mädchen hält inne und verschwimmt vor seinen Augen, als bestünde sie aus dunklem Rauch. Im der nächsten Sekunde sitzt an ihrer Stelle eine weiße Katze mit grauen Pfoten und starrt ihn mit rot glühenden Augen an. Als wäre die plötzliche Erscheinung nicht schon irreal genug, öffnet das Tier auch noch das Maul und beginnt zu sprechen.
„Glaubst du mir etwa nicht, miau? Sieh dich um... wenn das hier nicht bedeutet, dass du tot bist, wie erklärst du dir diesen Raum sonst?“
„Aber ich kann nicht sterben! Nicht jetzt! Ich-“
Die Katze verschwindet genauso schnell wie sie gekommen war. Stattdessen erscheint eine junge Frau am anderen Ende des Raumes. Es ist Selena... oder zumindest, etwas das aussieht wie sie...
„So, du glaubst also es wär noch nicht an der Zeit für dich zu sterben? Du willst dieses Mädchen beschützen hab ich recht? Aber ich muss dich enttäuschen... deine Zeit ist abgelaufen...“
In Seys Kopf scheint sich alles zu drehen und er kann kaum einen klaren Gedanken fassen.
„Aber... ich... ich hab ihr versprochen, dass ich...“
Ein kaltes Grinsen erscheint auf Selenas Zügen.
„Würdest du gerne zurück? Ich könnte dir noch eine Chance geben...“
Sey starrt sie erwartungsvoll an. Mit einem erneuten Kichern verwandelt sie sich in die Katze zurück und tappt flink auf ihn zu.
„Ich könnte dich zurückschicken... ich bin eine der wenigen, die die Macht dazu haben...miau...“
„Was genau bist du?“
Die Katze scheint regelrecht zu grinsen, während sie schnurrend um ihn herumschleicht.
„Wer ich bin?... Ich bin das hier und jetzt. Das Alles und das Nichts. Vergangenheit und Zukunft. Das Leben und... der Tod... Was ist, willst du eine zweite Chance? Oder nicht?“
„Du kannst mich wirklich einfach zurückschicken?“
Die Katze nickt schweigend.
„Dann tu es! Jetzt! Wenn du mich jetzt zurückschickst, bin ich vielleicht rechzeitig da, um-“
Das Tier lässt ein Schallendes Lachen vernehmen.
„Immer langsam, keine Sorge wir haben alle Zeit der Welt..miau...“
„Aber ich-...“
Mit einer geschmeidigen Bewegung schleicht sie um ihn herum und lässt sich wie selbstverständlich auf Seys Schoß nieder.
„Du willst das Mädchen retten, nicht wahr? Sehr amüsant, miau... Aber du musst dir keine Sorgen machen... Dieser Raum ist nicht an die Zeit der Erde gebunden. Egal wie lange du hier bist, es macht keinen Unterschied. Wir haben also genügend Zeit uns um das Geschäftliche zu kümmern...“
Die Katze springt abrupt auf und setzt sich ihm gegenüber hin.
„...Geschäftliches..?“
„Sicher doch, miau... Nichts im Leben ist umsonst, so heißt es doch? Und im Tod ist es nicht anders... Ein Leben ist zudem nicht billig... Deswegen bevorzugen wir es, wenn unsere Klienten ihre Schulden abarbeiten...“
„Was muss ich tun?“
Die roten Augen der Katze verengen sich zu Schlitzen.
„Du wirst einer von uns. Wir schenken dir das Leben und als Gegenleistung wirst du für uns arbeiten. So einfach ist das... du musst lediglich einen Vertrag unterzeichnen...miau..“
Sie lässt eine ihrer Vorderpfoten schwungvoll durch die Luft gleiten, wo im selben Moment ein beschriebenes Blatt Papier und eine goldene Feder erscheinen.
„Aber ich warne dich... Dieser Vertrag gilt, solange wie deine Seele existiert... Hast du ihn einmal unterzeichnet, gehörst du uns... und das für immer...“
Sey sieht zögernd auf das Papier. Die Zeilen sind in einer seltsamen, verworrenen Schrift geschrieben... irgendeine Sprache, die er nicht versteht.
„Ich kann das nichtmal lesen.. Woher soll ich wissen, dass du mich nicht hereinlegst?“
Die Katze löst sich in Rauch auf und macht so wieder Platz für das kleine Mädchen mit dem Lolli.
„Ich mag annähernd allmächtig sein, in diesem Raum, doch auch ich muss mich an die Gesetze halten... Alles was ich dir im Austausch gegen deine Seele verspreche, muss ich auch einhalten... so sind die Regeln...“
Sey ist noch immer skeptisch. Andererseits, wenn er ohnehin schon tot ist, was hat er dann schon zu verlieren? Trotzdem...
Das Mädchen verwandelt sich kichernd in die Katze zurück.
„Was ist? Bist du verunsichert, miau? Wenn du den Vertrag unterzeichnest, wirst du nicht nur auf die Erde zurückkehren, du wirst auch in der Lage sein dich mit Leichtigkeit gegen deine Feinde zu behaupten... das ist es doch, was du willst? Wenn du den Pakt eingehst, kann ich dir versprechen, dass du dein Mädchen wiedersiehst...miau...“
Nach einigem zögern nimmt er die goldene Feder und betrachtet sie nachdenklich.
„Was ist mit Tinte? Mit der Feder allein kann man nichts unterzeichnen...“
Die Katze kichert amüsiert.
„Wir benutzen keine Tinte...miau.“
„Lass mich raten, man muss den Pakt mit Blut besiegeln... das ist ziemlich einfallslos, weißt du...“
„Oh, nein nein nein! Miau. Das mit dem Blut haben wir schon vor Jahrhunderten aufgegeben. Es war zu einfach zu betrügen, weißt du. Einige haben einfach das Blut von jemand anderem benutzt... hat uns ganz schön Probleme gemacht, miau... Deshalb haben wir das geändert... heute unterzeichnet man mit seiner Seele...“
Sey starrt sie verwirrt an. Die Katze schleckt derweil genüsslich ihre Vorderpfoten ab.
„A-aber wie-“
„Es ist ganz einfach, miau. Du musst einfach nur unterschreiben, die Feder erledigt den Rest. Also was ist jetzt? Tu es schon, ich hab nicht den ganzen Tag Zeit, miau.“
„Ich dachte, Zeit bedeutet hier nichts?“
„Hihi, du hast recht...miau. Ich wollte nur sehen, ob du aufgepasst hast. Jetzt unterzeichne schon den Pakt...“
Sey atmet noch einmal tief durch und setzt schließlich die Spitze der Feder auf den Vertrag auf. Als er den ersten Strich zieht, erscheint auf dem Papier eine feine, glänzende Linie, die wie eine Flüssigkeit glitzernd darauf haften bleibt. In dem Augenblick, indem er den letzen Buchstaben vollendet hat und die Feder von der Oberfläche des Papieres löst, verschwindet auch der weiße Raum ihn herum und stattdessen spürt er, wie er mit rasanter Geschwindigkeit in die Dunkelheit unter sich fällt. Im nächsten Moment fühlt er den harten, nassen Boden unter seinem Rücken und reisst hektisch die Augen auf, nur um sie sofort mit einem Aufschrei wieder zu schließen. Er hat das Gefühl, als hätte man ihm glühende Nadeln in die Pupillen gestochen. Keuchend verharrt er einige Sekunden mit geschlossenen Augen, bis der Schmerz sich etwas gelegt hat. Er kann ein leises Knistern neben sich hören, ansonsten ist kein Laut zu vernehmen... Sey spürt wie sein Herzschlag sich etwas beschleunigt. Er lauscht wie gebannt in die Stille, doch kein Geräusch lässt darauf schließen, dass sich außer ihm noch jemand in der Nähe befindet. Keine Schreie sind mehr zu hören und auch die Gewehrschüsse sind verstummt. Vorsichtig blinzelt er in die Nacht. Das verschwommene Bild vor seinen Augen scheint einen leichten Rotstich zu haben. Die Straße um ihn herum ist völlig verlassen und die einzigen Bewegungen stammen von den kleinen Flammen, die hier und da vor sich hinflackern. Er rappelt sich auf, um sich auf die Suche nach Selena zu machen, doch bereits nach wenigen Metern verliert er das Gleichgewicht und landet in einer dreckigen Pfütze. Als sich die Oberfläche des Wassers allmählich beruhigt, kann er zwei undeutliche, leuchtende Flecken darin erkennen. Er sieht nochmal genauer hin und erkennt sein eigenes verzerrtes Spiegelbild. Seine Augen leuchten in einem unnatürlichen Rot.
„Verdammt, was-...“
Ein heller Schatten, der an ihm vorbeispringt, lässt ihn herumwirbeln. Es ist eine weiße Katze.
„Hey! Warte!“
Die Katze schleicht schweigend die Straße entlang, im Slalom um herumliegende Waffen und Holzstücke herum. Sey stolpert keuchend hinter ihr her.
„Hey! Ich dachte du hältst dich an die Regeln! Du sagtest ich würde sie wiedersehen! Bleib gefälligst stehen und antworte mir, du verdammtes Mistvieh!“
Er versucht nach der Katze zu greifen, doch sie weicht seinen Händen geschickt aus und faucht ihn mit angelegten Ohren an, bevor sie unter einem halb eingestürzten Haus verschwindet. Als Sey ihr verzweifelt nachsieht, fällt sein Blick auf zwei Körper, die direkt neben dem Versteck der Katze auf dem Boden liegen. Nachdem er das blutverschmierte Gesicht des blonden Mädchens entdeckt, braucht er gar nicht mehr näher zu kommen, um zu wissen was passiert ist... Aus der dunklen Lücke unter dem Haus blitzen ihm die glühenden Augen der Katze entgegen...[/i]

Suki starrt stumm in die Dunkelheit vor ihren Füßen. Die Stille in dem feuchten Keller wird nur von einem gelegentlichen Tropfen irgendwo am anderen Ende des Raumes unterbrochen.
„Was ist dann passiert?“
„Die verdammte Katze hat mich reingelegt... Sie waren tot... alle. Ich weiß nicht was dort passiert ist, aber ich habe niemanden mehr gefunden...“
Sey macht eine lange Pause, in der Suki das monotone Tropfen im Hintergrund plötzlich unglaublich laut vorkommt.
„...Danach hab ich zum ersten mal Jack getroffen. Er war es, der mich ins Hauptquartier gebracht hat, wo ich dann kurze Zeit später mit der Grundausbildung angefangen habe... hätte ich vorher gewusst, was es heißt diesem verdammten Vertrag verpflichtet zu sein, hätte ich mir das Ganze wohl nochmal überlegt... Tsst... dafür ist es jetzt wohl zu spät... Aber je mehr ich über Zerberus und alles was damit zusammenhängt gelernt habe, desto mehr dachte ich, dass es sich letztlich doch gelohnt haben könnte... Ich dachte nicht, dass es schon vorbei ist... Ich dachte ich könnte alles wieder richtigstellen. Deshalb habe ich bereits nach wenigen Jahren gleich den zweiten großen Fehler in meinem Leben gemacht...“
Suki öffnet den Mund, um etwas zu erwidern, als ein lautes Quietschen sie plötzlich unterbricht. Die schwere Tür ihrer Zelle wird langsam aufgestoßen und sie blinzelt verunsichert in das