Nevermore

Der Geliebte meines Gatten

Ira

Willkommen zu einer FF, die mir sehr sehr am Herzen liegt und die keine Herkömmliche ist. Jedenfalls nicht auf den ersten Blick.
Ich wünsche euch viel Spaß. Jegliche Art von Kritik ist erwünscht :D
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Einzigartig, wie jede noch so kleine Schwankung unseren Körper durchfährt, darauf bedacht den jetzigen Augenblick zu fesseln und uns für einen Moment aus der eintönigen Graustufe des Lebens zu locken, finden Sie nicht auch??
Lassen sie mich meinen Gedanken klar darstellen: Die Langeweile umschlingt unser Leben, wie die verwurzelten Sehnen ein rohes Stück Fleisch. An welch bessere Auswege könnte die menschliche Seele da glauben, als an Zorn, Habsucht, Gier und all die anderen Genüsse, die wir uns erlauben?

Glauben Sie nicht, ich hätte die Tat des Jungen nicht nachvollziehen können. Im Gegenteil. Ich war sein alleiniger Führsprecher. Auch ich kannte die Wahrheit…nun ja, ich beinhaltete ja auch die Wahrheit, wenn Sie so wollen.

Ich muss jedoch zugeben, dass ich dem schmächtigen, grauzottigen Jungen dies nicht zugetraut hätte, als er im Polizeipräsidium in die Augen seines blinden Vaters blickte. Zu vertraut schien seine Miene noch, da seine Gewohnheit ihn überkommen hatte. Mit einer lästigen Bewegung seiner Augenwinkel verbannte er jede Kleinigkeit des früher empfundenen, ließ seinen nun zu Atem gekommenen Vater von dessen Kollegen mustern und brachte kein Wort hervor. Natürlich wäre jede Art von zärtlicher Begrüßung von dem steifen Polizeibeamten beäugt worden und hätte auch unter normalen Umständen einem Jugendlichen die Röte ins Gesicht schießen lassen.

Doch diese Situation war von anderem Kaliber. Die Beziehungen, verstrickt wie sie waren, konnten zudem nicht einfach übergangen werden und die Gefühle einstiger Ereignisse schienen zu dominieren…jedoch greife ich auch mit diesen Schlussfolgerungen vor.

„Es freut mich, dass Sie endlich, nach geschlagenen 30 Minuten die Zeit finden, ihren Sohn abzuholen, Kaiba. Er scheint ein schüchterner Bursche zu sein, um nicht zu sagen nicht sehr kooperativ.“

Seinen Chef in den Augenwinkel nehmend, beließ Kaiba das Zählen der Strafdelikte auf dem Papier, wo definitiv der Name seines Sohnes geschrieben war und nickte bestimmt. In diesem Moment störte ihn nichts mehr, als die Anwesenheit dieser Person, welche er für sein eigenes Wohl für tot erklärt hatte. Jene erlaubte sich einen flüchtigen Blick, als Kaiba seine impulsive, unangenehme Stimme einsetzte und die folgenden Worte wählte:

„Ich bedauere ihre Unannehmlichkeiten und kann ihnen versichern, dass ich Draco.“, der Name selbst widerte ihn an, „ mit dieser Tat nicht davon kommen lassen werde. Ich mache unter Mördern keine Unterschiede.“

Wir erinnern uns an unsere detaillierte Analyse der Genüsse des Menschen, ja? Auch ich fühlte einen wohligen Schauer, als das letzte Wort Kaibas seinen Klang langsam verloren hatte und Draco die gewünschte Reaktion auf die Vorwürfe zeigte. Seine Mundwinkel zu einer schmerzhaften, und doch seriösen Grimasse ziehend, sowie das Wässrige seiner Augen zurückdrängend, ließ der Junge seine Worte für seinen eigen empfundenen Zorn sprechen.

„Wer soll ein Mörder sein? Ich sitze hier wegen wiederholter Körperverletzung und halte nur deinen Platz frei. Warum sagen wir ihnen nicht um welchen Mord es wirklich geht? Vor allem aber solltest du ihnen den Grund verraten, warum du nie in der Lage sein wirst, deinen Mörder zu …“

Wie gesagt, ich blieb sein alleiniger Führsprecher.
„Haben dir die Nächte auf den Straßen Tokios etwa den Floh ins Hirn getrieben?“ Kaiba grinste gehässig. Sein schmales Lippenpaar bewegte sich dabei mehr und mehr zu seinen Schlaf-suchenden Augenlidern, welche er in diesem Moment weit geöffnet hatte. Bevor er die Ausmaße seines fertig modellierten Gesichtsausdrucks zu mindern begann, sprach er weiter, ohne den Jungen auch nur ein einziges Mal zu mustern.

„Meine Frau und lästiger Weise auch deine Mutter ist tot. Unsere Verbindung beläuft sich nur auf Anordnungen des Gesetzgebers. Dein Wunsch ist also eingetreten. Ich bin dir weder über Ai, noch über Violette Rechenschaft schuldig.“

Im Nachhinein hielt selbst ich dieses Maskenspiel für überflüssig. Kaiba hatte nie erkannt, woran sein Sohn ihn messen wollte und woran er –letztendlich- scheiterte. Für ihn bestand das Leben nur aus eintönigem Schmerz und doch waren diese Momente die intensivsten für ihn gewesen. Ach ja, Ai…mein erster Genuss, meine erste Freude und zugleich…wohl auch meine letzte Liebe. Zart, wie ihre bleiche Haut mein Messer schmiegte, beinah zärtlich wie die rote Spur sich durch ihr Fleisch zog. Ai…

Fast schon schade, als sie röchelnd zusammen brach und ich ihr fein säuberlich die violette farbene Lillie zwischen die Strähnen ihres Haars legte. Und ich machte dies –weiß Gott- nicht für jedes Opfer! Blutverschmiert gefielen mir die Blüten am Besten. Dieses starke Rot, welches sich langsam zu vermischen begann mit dem Intensivsten aller Blumentöne im Kontrast zur länglichen, offenen Wunde.

Vielleicht muss ich zugeben, dass mich der Genuss überforderte. Möglicherweise ging es mir nur um ihr schmales Gesicht, das durch die Blume einen anderen Bezugspunkt bekam. Doch ich schwelge wieder in Erinnerungen…
Derweilen versteckte Draco seine grünlich wirkenden Augen unter seinen kurzen, schwarzen Zotten. Höchst eigen hatte ich den Jungen ja schon immer gefunden, aber er gefiel mir immer besser!

„Du hast Mama nie wirklich verloren. Du hast sie ja auch nie losgelassen. Deine Schuld ist nicht meine, doch sie hat dich blind gemacht. Blind für die Fakten und für die, die dir…“
Liebe…bäh. Der Junge hatte meine Gunst eindeutig nicht mehr verdient. Ich ekelte mich beim Gedanken an seine nie ausgesprochenen Worte. Überflüssigkeit und vor allem: Sinnlosigkeit sind die zwei Begriffe, welche ich gewählt hätte, um den abstoßenden Begriff zu beschreiben. Wofür sollte der Mensch auch gefühlsbetonte Bindungen wie diese brauchen? Um sich selbst den Spaß an den Genüssen zu rauben? Oder vielleicht da er so fälschlicherweise seine Langeweile vertreiben wollte? Ha!

Wenigstens der Vater schien noch bei Verstand.
„Du willst mir was von Schuld erzählen? Und dazu noch meine Schuld? Ich bitte dich, hast du diese Scharade nicht schon lange genug durchgezogen. Ich bin es satt und leid mich mit dir zu streiten.“
„Leichter fällt es dir mich zu verurteilen. Verständlich.“
„Tust du nicht das Gleiche?“
„Aber ich habe Gründe.“
„Ach, und ich also nicht? Für wen hältst du dich eigentlich, Bürschchen?“
„Jedenfalls nicht für den Mörder meiner Mutter. Du hast die Fakten missachtet, weil Yami dein Freund war. Du ignorierst sie noch heute, weil er dein Mann ist und du wirst diesmal wieder Schuld tragen. Doch es ist keiner mehr da, der daran sterben könnte, außer du.“

Ich revidiere alles vorhin gesagte. Dieser Junge war eine Pest, eine Ausgeburt des Guten. Er hatte sich doch tatsächlich in den Kopf gesetzt, seinen Vater zu retten. Waren den alle davor gehegten Lieblichkeiten schonungslose Lüge gewesen? Nein, ich irrte mich nie im Charakter eines Menschen. Er hasste seinen Vater, wollte sich für den nutzlosen Tod seiner Mutter rächen und ihn mit seinen vorhandenen Ängsten anstecken…er musste also einen Genuss gefunden haben, für den es sich lohnte seinem Vater den Letzten zunächst zu verweigern. Ein Genie…gerissener als der Meister?
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Das war das erste Kapitel. Ich gebe zu, etwas kurz, aber inhaltlich bin ich sehr zufrieden.
Schreibt mir, was ihr darüber denkt :)

Liebe Grüße, Leaves