Kimi no Shiranai Monogatari
letzte Schultag vor den Winterferien ist, haben einige von euch etwas vorbereitet. Hibiko, willst du vielleicht anfangen?“, fragte mein Musiklehrer. Er war der einzigste Lehrer, den auch ich halbwegs mochte. ,,Klar.“, antwortete Hibiko zufrieden und sprang auf. Sie schien nur darauf gewartet zu haben. Hatte ich erwähnt dass sie unglaublich gut Geige spielte? Denn dass tat sie. Ich erblickte nun auch Arisu in der hinteren Ecke des Klassenzimmers und spürte wie ich rot anlief. Hibiko holte tief Luft und räusperte sich. Alle Blicke waren nun wieder auf sie gerichtet. Und dann, dann begann sie zu spielen. Ganz einfach, flog der Bogen über die vier Seiten ihrer Geige und nach den ersten paar Tönen begangen ein Großteil der Oberschüler zu klatschen. Hibikos blaue Augen glitzerten richtig, sie war in ihrem Element. Ich hingegen musste schmunzeln, wie gesagt Hibiko verstand es andere mit ihrer Art anzustecken. Aber so kannte ich sie, und leider gehörte dieses Geigengefidel zum letzten Schultag dazu. Sie machte es jedes Jahr. Na gut, Hibiko spielte zwar immer etwas Anderes, jedoch hasste ich Dinge die sich wiederholten. Ich wollte einfach mal ein bisschen Spannung. Mit ein wenig Magie, einem Krieg der Welten oder einem Angriff von Vampiren wäre ich doch schon zufrieden gewesen. War das denn zu viel verlangt? Anscheinend schon, denn die Welt wollte sich nicht ändern, nein, sie wollte mich einfach immer und immer wieder durch eine Endlosschleife laufen lassen.
Als es um Sechzehnuhr endlich zum letzten Mal klingelte und ich endlich nach Hause konnte, fiel mir plötzlich wieder in, dass ich zum Ferienunterricht musste. ,,Scheiße...“, murmelte ich und verließ träge dass Schulgebäude. ,,Aki.“, hörte ich Hibikos Stimme hinter mir. ,,Hm?“, machte ich und drehte mich unbeholfen zu ihr um. Sie war ganz schön rot. ,,Hast du Fieber?“. ,,Was, ähm, nein...“, antwortete sie rasch. ,,Was willst du denn...“, ich wollte schnell nach Hause. ,,Ach, es ist nur ich wollte mich noch mal bedanken...“. ,,Bedanken?“. ,,Wegen dem Konzert, also ähm... ich freu mich auf Freitag, es ist doch Freitag oder?“. ,,Klar, sicher.“. ,,Bis Morgen.“, lächelte Hibiko und trabte Richtung Zugstation. Ich hatte beschlossen über den Feldweg nach Hause zu gehen. Natürlich dauerte es viel länger und ich wollte unbedingt nach Hause, aber wer weiß, was mich da geritten hatte. Nahm ich halt den längeren Weg.
Ich drehte den Kopf zur Seite, die Sonne ging unter und der kleine Bach, welcher mir heute morgen noch gar nicht aufgefallen war, glitzerte ein wenig. In langsamen, kleinen Schritten schlenderte ich den Weg entlang und kam noch weiter vom Weg ab, als ich es ohnehin schon war. Irgendwie war ich ziemlich in Gedanken versunken. Mein Blick schweifte ein hässliches Gemäuer, war wohl in fernen Zeiten mal eine Baustelle gewesen. Inzwischen waren die Bauarbeiten wohl eingestellt worden. Hm. Irgendwas hatte mich dazu gebracht vor dem Gebäude stehen zu bleiben und es mir mal anzuschauen. Das Gerüst war ziemlich lausig angebracht, man musste richtig Angst haben dass das Teil jeden Moment auf einen herunterkracht. Ich vernahm ein merkwürdiges knirschen und sah nach oben. Im nächsten Moment wünschte ich mir, ich hätte es nicht getan. Von dem vielleicht zehn Meter hohen Gebäude fiel irgendetwas auf mich herunter, oder viel mehr irgendwer. Meine Augen weiteten sich und wie aus Reflex breitete ich die Arme aus. ,,Scheiße, ist die schwer...“, seufzte ich und musterte jetzt erst das Mädchen was sich mal eben locker dazu entschlossen hatte mit ihren fünfzig Kilo in meine schmächtigen Arme zu springen. Hm. Sie war ohnmächtig, hatte grünes, kurzes Haar, trug eine weiße, warme Jacke mit Katzenkapuze, einen viel zu kurzen Rock, ein Paar rote Schuhe und war voller blauer Flecken. Was für ein peinliches Outfit. Scheiße! Wo war ich da denn jetzt schon wieder reingeraten?! Ich sah die Schlagzeilen schon vor mir: ,,Mittelmäßiger Mittelstufenschüler stößt minderjähriges Mädchen in den Tod und streitet alles ab!“. Bei diesem Gedanken lief es mir kalt den Rücken runter. Ich legte sie auf den Boden und spielte kurz mit dem Gedanken sie liegen zu lassen und einfach abzuhauen. Warum hatte ich es nicht einfach getan? Warum musste ich so beschissen vernünftig sein? Ich seufzte. ,,Hey, du...“, vorsichtig stupste ich sie an. Sie rührte sie nicht. Super. Was sollte ich denn jetzt machen? Ich hatte zwar um Veränderungen gebeten, aber so war dass jetzt auch nicht gemeint. Scheiße! Wenn man davon absah, dass sie bewusstlos vor mir auf dem Boden lag, war sie richtig süß. „Man Araragi! Komm mal klar! Ruf die Polizei und verzieh dich! Hau ab! Das geht dich Nichts an, du bist nicht in die Sache verwickelt!“, versuchte ich mich zu beruhigen. Was blieb mir anderes übrig als sie mitzunehmen? Aber nein, dass konnte ich nicht machen. Was würde meine Mutter sagen wenn ich in der Tür stehe und ein ohnmächtige Mädchen voller blauer Flecken im Arm halte? Na toll. Und was jetzt? Zu Hibiko konnte ich wohl kaum. Schule erst Recht nicht und zur Polizei traute ich mich nicht. Während ich weiter nachdachte merkte ich nicht wie das Mädchen sich mit einer Hand auf meinem Bein abstütze. ,,Hä? Ähm, geht es dir gut?“, ich wurde richtig hektisch. Sie sah mich ein wenig erschöpft an sagte aber Nichts. ,,Willst du mir nicht erzählen warum du dich von dem Haus hier auf mich runter stürzt?“. Wieder kam keine Antwort. Stattdessen streckte sie wie ein kleines Kind die Arme nach mir aus und schien darauf zu warten dass ich reagierte und sie trug. ,,Tut mir leid, aber ich muss schnell nach Hause, also...“. Sie sah mich traurig an und schien den Tränen nahe. Man. Dass hatte ich doch jetzt auch nicht gewollt. Will das Leben mich verarschen?! Ich hoffte dass ich jeden Moment aufwachen würde. Ja, aufwachen. Einfach nur aufwachen. Aufwachen und Zuhause in meinem viel zu weichen Bett liegen. ,,Ich muss jetzt wirklich nach Hause...“, ich stand auf und drehte mich um. Sie saß immer noch ein wenig verdattert auf dem Boden, stand dann aber auf und taumelte mir in kleinen Schrittchen hinterher. ,,Hör zu, du gehst jetzt dahin wo du her gekommen bist, und ich geh nach Hause und wir vergessen dass alles.“, lachte ich sie an. Man, war ich mal wieder neben der Spur. Sie sah mich verloren an. Ich seufzte. ,,Na gut, dann komm...“. Sie strahlte richtig, ihr Gesichtsausdruck ähnelte dem von Hibiko. ,,Ich sag dir eins, wenn wir bei mir sind ruf ich die Polizei...“, murmelte ich und sah sie böse an. Toll. Wegen ihr war mein Tag im Arsch. Und weil ich so einen Umweg gelaufen war, brauchte ich, nein wir, eine gefühlte Stunde bis wir endlich vor meinem Haus standen. ,,Sind wir da?“. Ich drehte mich erschrocken um. ,,D-Du kannst sprechen?!“. ,,Natürlich.“. ,,Warum hast du dann vorhin Nichts gesagt?!“, ich wurde richtig hysterisch. ,,Wenn ich was gesagt hätte, hättest du mich doch niemals mitgenommen.“, lachte sie. Ich seufzte. Recht hatte sie ja. ,,Na gut, dann geh jetzt dahin wo du hergekommen bist...“. ,,Hä?“. ,,Du weißt schon, schwirr ab.“. Ich verschränkte die Arme. ,,Und wohin soll ich gehen?“, sie klang recht ernst. ,,Na ja, du bist vom Himmel gefallen, also mehr oder weniger...“, murmelte ich. ,,Vom Himmel?“, fragte sie verdutzt und sah nach oben. ,,Na gut, von einem Hochhaus, aber Himmel trifft es ganz gut.“. ,,Vielleicht...“, lächelte sie. ,,...bin ich ja ein Engel...“, fügte sie hinzu. Ich musste lachen, nein, ich prustete regelrecht los. ,,Was? Ich meine das ernst!“. ,,Ich will dich ja nicht enttäuschen, aber du bist kein Engel, so etwas gibt es nicht.“, lachte ich weiter. Sie sah immer noch in den Himmel. ,,So, jetzt geh dahin wo du hergekommen bist...“. ,,Aber ich weiß doch nicht wo ich herkomme!“, sie war schon wieder den Tränen nah. ,,Willst du mich verarschen?“. ,,Nein.“. ,,Weißt du wenigstens wie du heißt?“. Sie schüttelte den Kopf. Ich seufzte. ,,Na super...“. ,,Willst du mir einen Namen geben, Masutā?“, fragte sie hoffnungsvoll. ,, Masutā?! Spinnst du?!“. (*Anmerkung: Masutā = Meister ). ,,Aber Masutā...“. ,,Hals Maul...“. ,,Aber...“. ,,Hör zu, ich bin ein einfacher Mittelstufenschüler, werde jetzt hier durch diese Tür gehen und du schwirrst ab!“.
Genervt knallte ich die Tür zu und warf mich aufs Sofa im Wohnzimmer. Nach einer Weile stolperte ich in die Küche, aß die Überreste des Mittagessens und ging schlafen. Was war dass nur für ein Tag gewesen? Meine Fresse. Gemütlich kuschelte ich mich in mein Bett und versuchte einzuschlafen. Aus irgendeinem einem Grund dachte ich an Hibiko und ihr Geigengefidel. Mh. Zum einschlafen wäre das jetzt genau das Richtige. Komischer Weise, hatte ich es doch noch irgendwann geschafft einzuschlafen, wobei mich am nächsten Morgen mein klirrender Wecker aus dem Bett holte. Ach ja, Ferienunterricht. Scheiße. Wiederwillig stand ich auf, meine Mutter schlief wohl noch. Wer konnte es ihr verübeln in den Ferien? ,,Man. Ich hab kein Bock auf Schule...“, murmelte ich und trat wütend gegen die Badezimmertür. Super, jetzt tat auch noch mein Fuß weh. Hm. Es war kurz vor halb sieben, ich lag gut in der Zeit. Ohne noch mehr Zeit in meinen langweiligen vier Wänden zu verschwenden huschte ich die Treppe hinunter und öffnete die Tür. ,,Hä?!“, erstaunt blickte ich auf den Boden. ,,Du?! Was machst du hier?!“, fragte ich hysterisch. ,,Guten Morgen, Masutā.“, strahlte mich das Mädchen von Gestern an. Ich warf ihr fragende Blicke zu. ,,Ich habe auf dich gewartet.“, fügte sie hinzu. ,,Die ganze Nacht?!“. ,,Ja.“. Mein Blick schweifte die Uhr an meinem Handgelenk. ,,Ich hab jetzt keine Zeit für so einen Mist, ich muss zur Schule!“, hektisch drängelte ich mich an ihr vorbei und trabte schnell die Straße entlang. Und schon wieder lief sie mir hinterher. ,,Hast du Nichts besseres zu tun,