Shinee Luzifer
En vogue
Ich wartete – wartete darauf, dass er sich einloggte. Und außerdem langweilte ich mich.
Key : Yo
DuDoof : Hey Key, wie fantasievoll du bist…
Key : wieso?
DuDoof : wegen deinem Namen. So langweilig...
Key : nö
DuDoof : änder ihn mal
Key : nö
DuDoof : Sonst ändere ich meinen in „DuFantasielos“ !
Key : mach doch (:
DuDoof : nö (:
Key : …
DuAuch: hehe (:
DuDoof : ey, du hast ihn ja doch geändert... der ist gemein
DuAuch: och...und sonst was neues?
DuDoof: hm…na ja, doch ich bin irgendwie... verliebt
DuAuch: cool
DuDoof : gar nicht cool... ich kann mich voll nicht konzentrieren!
DuAuch : oh, doch nicht cool xD
DuAuch : seit ihr denn zusammen?
DuDoof : ne, du wärst einer der ersten, der es wüsste
DuAuch: na dann
DuDoof : Gegenfrage: hast du inzwischen eine Freundin?
DuAuch : bin ich lebensmüde?
DuDoof : wie fies du bist (:
DuAuch : äh...ne?!
DuDoof : äh, doch?!
DuAuch: ...
DuDoof : also keine Freundin?
DuAuch: na ja
DuDoof : sag schon!
DuAuch: NEIN! o.O
DuDoof : dann sag mir wenigstens einen vernünftigen Grund!
DuAuch: ... hm
DuDoof: ich verrate dir dann auch ein Geheimnis
DuAuch: was willst du mir schon erzählen?
DuDoof: dass wirst du dann sehen (:
DuAuch: na gut ...
DuDoof: also?
DuAuch: zwar keine Freundin... aber es gibt da schon ein paar hübsche Mädchen an meiner Schule... aber die kennst du nicht, also...
DuDoof: keine Namen?
DuAuch: du kennst die doch nicht!
DuDoof: meine fresse stellst du dich an, langsam frag ich mich wer hier das mädchen ist -.-
DuAuch: ...
DuAuch hat sich ausgeloggt
„Arsch...“, knurrte ich und schlug meinen Laptop zu. „Arsch. Arsch. Arsch!“. „Vertraust mir ja anscheinend doch kein Stück weit...“, schmollte ich und schaltete den Fernseher ein. Super. Ein Horrorfilm. Genau dass was ich jetzt am wenigsten gebrauchen konnte – irgendwelche verkorksten Geschichten und Liebespaare, die sich immer wieder gegenseitig retteten, aber doch am Ende Arm in Arm starben. Ich hatte absolut keine Ahnung, was ich jetzt machen sollte. Mein Laptop fiepte.
DuAuch: Geh mal auf Youtube – und gib Keymara Parkour ein.
Das war Key – Key bei einem Run. Und die Qualität war besser als alle anderen Parkour-Clips die ich mir bisher angesehen hatte. Da, da katapultierte er sich durchs Fenster ins Haus rein. Im nächsten Moment sah man ihn schon übers Dach rennen, dann nahm er die Balkone, oh, er sah wirklich aus wie eine Katze die über ein Geländer nach dem Anderen balancierte. Zum Schluss der Absprungssalto, weiche Landung, auf beiden Füßen abrollen – wow.
DuDoof: Dass ist genial!
DuAuch: Danke, dass war mein neuster Run
DuDoof: Du musst mir das unbedingt mal beibringen!
DuAuch: Nee, dass ist Nichts für Mädchen
DuDoof: Dann solltest du schleunigst damit aufhören!
DuAuch: ...
DuDoof: war doch nur ein Scherz
Key: Na gut…
DuDoof: Hey, du hast ihn wieder umgeändert!
DuDoof: ...
Burberry: so, dass hast du jetzt davon (:
Key: och, ich Armer (:
Key: warte kur, Masao schreibt gerade
Burberry: mh...
Stille
Key: wieder da!
Burberry: ich gehe jetzt eh gleich off
Key: Schade…
Burberry: Was wollte er denn?
Key: Hm?
Burberry: Masao – was er wollte.
Key: achso – er hat sich schon wieder darüber aufgeregt, dass wir wegen dem Schnee vorerst keinen Parkour mehr machen können...
Burberry: hm – na dann. Ich geh jetzt mal raus... vielleicht bis morgen?
Key: Bis morgen!
Burberry hat sich ausgeloggt.
Ich klappte meinen Laptop erneut zu und seufzte. Dann stand ich auf und ging die Treppe hoch in mein Zimmer. Mein Zimmer war eigentlich sehr schön. Ich hatte zwei große Fenster, durch die immer viel Licht viel. Ein weiches Himmelbett an dessen Seite meine Pinnwand hing, welche wiederum mit Lichterketten nur so überflutet wurde. Dann mein Kleiderschrank, mein Schreibtisch und ein rotes, bequemes Sofa, zwei rote Sessel und ein Tischchen in der Mitte. Überall lagen Schuhe, Haarspangen und Haargummis, Tops und allerlei Kleinkram herum. Die meisten verwunderte es, dass ich trotz meines Chaos, immer alles fand was ich suchte.
Ich schmiss mich auf mein Bett und beobachtete die Lichterketten die nach und nach in unterschiedlichen Farben aufblinkten. Ich dachte an Key – und an sein Video. An den Run. Wie er über die Häuser regelrecht geflogen war und wie glücklich er ausgesehen hatte. Und ich fragte mich, ob ich mich wohl auch so wohlfühlen würde. In der Luft. Ich schloss die Augen und stellte mir einen Salto von Balkon zu Balkon vor. Es fühlte sich wohl anders an als jeder Sprung, den sich je jemand gewagt hatte. Viel leichter, absolut schwerelos. Es war, als hätte die Erdanziehungskraft sich aufgelöst. Ich musste lächeln. Allein die Vorstellung war wunderbar, und ich beschloss, morgen bei Key vorbeizuschauen und ihn über Parkour auszufragen, ob er es mir nicht beibringen könne – ja, ich würde ihn ganz sicher fragen, egal ob er wusste wer ich war. Wenn er so offen im Chat mit Leuten sprechen konnte, die er nicht kannte, sollte es doch wohl machbar sein, normal mit ihm sprechen zu können. Ich seufzte, atmete tief ein und aus und schlief, erschöpft vom Alltag, ein.
Zwei Tage später fasste ich also so etwas Ähnliches wie einen Plan. Nachdem ich meinen Vater - der mich inzwischen geschlagene drei Tage lang alleinließ - Masao, der mich einfach nervte und auch Luzifer mit ihrer perfekten Art, innerlich mehrmals verflucht hatte, begann ich nachzudenken. Ich dachte darüber nach, wie ich Key ansprechen sollte. Einfach anklopfen und fragen, ob er mir Parkour vormachte - oder gar beibrachte? Er würde sicher lachen. Ja, er würde lachen.
Mitlerweile hatte ich mich bereits fertig gemacht, und sogar meine Haare hatte ich einigermaßen hinbekommen.
Ich wusste wo Key wohnte. Nein - ich war kein Stalker. Ich hatte einfach zu wenig zu tun. Oder eher - ich hatte zu viel damit zu tun den Vieren ständig hinterherzuflitzen, meist wenn sie trainierten, und im Hintergrund darauf zu achten, dass sie auch nicht von den Dächern stürtzten.
Also machte ich mich auf zu Keys Haus. Aber mit meinen Gedanken war ich schon bei meinem Plan. Ich musste es langsam angehen lassen. Aber es durfte auch nicht ewig dauern, denn sonst würde ich verrückt werden. Ich stoppte kurz - jetzt konnte ich noch umkehren. Aber, warum machte ich mir darüber überhaupt solche Gedanken? War es wirklich nur Key, der meine Aufmerksamkeit erweckte, oder hatte ich doch plötzlich gefallen an Parkour gefunden und brauchte eine Herausforderung, Adrenalin oder vielleicht einfach etwas Neues?