~ Mondseelen ~ [MMFF]
Die Legende vom Mondkind
Eine Legende so alt wie die Zeit, erzähle ich dir,
doch du wirst sie nur verstehen, wenn du weise bist mein Kind:
Mondlicht kleidete dürres Gestrüpp in strahlendes Silber,
wehte im lauen Nachtwind ums schmale Antlitz der Frau,
nahm die flehenden Worte entgegen, trug sie gen Himmel.
Großzügig schien der Mond der jungen Zigeunerin,
gerne wollte er ihr den Wunsch nach Liebe erfüllen,
forderte aber im Tausch ihr Kindlein.
Ohne zu zögern stimmte sie zu, der Pakt war geschlossen.
Bald trat ein Jüngling in das Leben der Frau,
rabenschwarz war sein Haar und rabenschwarz waren seine Augen.
Wenige Monate später gebar sie einen Sohn,
streckte ihn ängstlich empor zum Sternenhimmel und sagte:
„Sie doch, gütige Luna, mein Leben halte ich in den Händen.
Brauchst du wirklich ein Menschlein aus Fleisch und Blut als dein Eigen?
Niemals könntest du ihm eine richtige Mutter sein,
schließlich bist du der Mond. Vergib mir, doch ich werde es behalten.“
Düstere Wolken zogen auf, das Licht war verschwunden.
Als sie jedoch ihrem Gatten ihren gemeinsamen Sohn zeigte,
erblich er, ein Schrecken durchfuhr seine Glieder:
Weiß war die Haut des Kindes, weiß wie das Fell eines Hermelins,
farblos war sein Haar und hell die leuchtenden Augen.
Das weiße Kind des weißen Mondes.
Wutentbrannt griff der Mann nach der Klinge,
verfluchte das Kind und erstach die Mutter,
da er dachte sie hätte ihn betrogen.
Das jammernde Kind aber trug er auf den höchsten Berg,
ließ es dort zurück, damit das Schicksal über ihn entscheiden konnte.
Dort liegt es und lebt.
In den Vollmondnächten geht es ihm gut,
weint das Kind, dann nimmt der Mond ab, um dem Kind eine Wiege zu sein.
Wer sein ungeborenes Kind opfert, um nicht alleine zu bleiben,
kann dieses Kind nicht geliebt haben.
Und du Luna, du willst Mutter sein?
Hast du doch niemanden, dessen Liebe dich zur Frau macht.
Sag mir, silberner Mond, was willst du tun mit einem Wesen aus Fleisch und Blut,
einem Kind des Mondes?